Kopf des Tages:Georg Kofler - Die Hand auf der Herdplatte
Jetzt kann Georg Kofler freimütig bekennen: Es war keine gute Zeit für ihn, als der von ihm geführte Bezahlsender Premiere vor einem Jahr die Bundesliga-Rechte verloren hat. Jetzt erzählt Kofler, wie viel er in dieser Zeit gelernt hat. von Lutz Meier
Georg Kofler ist der geborene Optimist
Dass es eine "große Unsicherheit" gegeben hat, "die uns sehr beschäftigt und besorgt hat". Kofler zeigt Unsicherheit? Geht das denn? Vor einem Jahr war davon nicht die Rede. Damals hat Georg Kofler den gleichen demonstrativen Optimismus verbreitet wie wohl sein ganzes Leben schon. Es war der gleiche kämpferische Durchhaltewillen, der jeden zarten Skeptiker zum ahnungslosen Miesmacher erklärt. Und der den Erfolg dadurch zu beschwören sucht, dass er von der Alternative dazu nichts wissen will.
Jetzt ist es ja vorbei. Jetzt kann Georg Kofler es ja sagen, dass es nicht einfach war; kann sich, als könne das alles entschuldigen, mit einem kleinen Jungen vergleichen: Niemanden, sagt er, gebe es wohl, "der so direkt die Hand auf die Herdplatte gelegt hat, um herauszufinden: Was bedeutet der Verlust des wichtigsten Rechts". Man muss daran erinnern, dass derlei schmerzvoll kindliche Experimentierlust damals Premiere die Hälfte des Börsenwerts gekostet hat. Und dass sie darin bestand, dass Kofler die Bundesliga zwingen wollte, ganz und gar ins Pay-TV zu gehen und die ARD-"Sportschau" abzuschaffen. "Ganz oder gar nicht" war Koflers Ansatz. Die Bundesliga entschied sich für "gar nicht", worauf Kofler nicht vorbereitet war.
Wie eine Eiche inmitten von Blüten
Da habe er "einiges dazugelernt", sagt Kofler jetzt. Nun ist die Bundesliga wieder bei Premiere, weil der damalige Rechtekäufer Arena auch nicht rasch genug die nötigen Abonnenten gewinnen konnte. Und schon redet Georg Kofler wieder von Wachstum.
Die Monate ohne Fußball waren auch deswegen schwer für den studierten Philosophen, weil man in dieser Zeit merkte, wie lang das Selbstsuggestionsprogramm des notorischen Optimisten gut gegangen ist - und wie wenig er jenseits dessen im Repertoire hat. Mit der Durchhaltenummer hatte Kofler immerhin den Betrieb, der die Hauptschuld am Bankrott von Ex-Besitzer Leo Kirch trug, vor der Pleite gerettet, halbwegs profitabel gemacht und glanzvoll an die Börse geführt - obwohl damals niemand außer Kofler sicher war, dass Pay-TV in Deutschland viel mehr als 3,5 Millionen Kunden erreichen kann. Kofler versprach auf lange Sicht sieben Millionen.
Der heute 49-jährige Südtiroler hatte einfach bisher kaum Anlass, mal eine Schwäche zuzugeben. Auch am Donnerstag diente ihm der kurze Ausflug in die lehrreiche harte Zeit nur zur Illustration der glänzenden Position, in der Kofler sich und seinen Sender nach dem neuesten Deal sieht. Wie eine Eiche, sagte er, inmitten von Blüten. Wahrscheinlich ist Georg Kofler unverbesserlich.
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