Klar, dass in Zeiten, in denen sich jeder Vorstand einer börsennotierten deutschen Aktiengesellschaft in die Taschen schauen lassen muss, solche Diskretion bei auf Transparenz bedachten Investoren wie ein rotes Tuch wirkt. Die Investmentgesellschaft Deminor, ein kleinerer Aktionär der Depfa, will Licht ins Dunkel bringen und hat Bruckermann in mehreren Briefen aufgefordert, seine Bezüge offenzulegen. Außerdem mag es die Gesellschaft nicht, dass Bruckermann in Personalunion Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzender der Depfa ist. Deminor erkennt einen Interessenkonflikt und verlangt von Bruckermann, dass er den Aufsichtsratsvorsitz abgibt. Höflich, aber bestimmt wies Bruckermann beide Ansinnen zurück.
Firmensitz nicht ohne Grund in Irland
Da er nicht nur Banker, sondern von Haus aus Jurist ist, wähnt Bruckermann sich zumindest juristisch auf der sicheren Seite. Die Depfa hat nämlich nicht ohne Grund ihren Sitz im irischen Dublin und ist damit eine Gesellschaft irischen Rechts. Nach diesem Recht muss Bruckermann weder sein Gehalt nennen noch seine Doppelfunktion auflösen, selbst wenn auch im angelsächsischen Raum die dort nicht unübliche Verquickung von Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzenden aus Gründen einer sauberen Unternehmensführung zunehmend umstritten ist.
Mit allergrößter Gelassenheit wird Bruckermann auf der heutigen Hauptversammlung in Dublin den Kritikern erläutern, dass er eigentlich unschuldig an seinem Gehalt ist, dessen Höhe er kaum beeinflussen kann. Der Löwenanteil der Bezüge wird nämlich in Aktien gezahlt. Und wenn der Kurs steigt, steigt auch sein Gehalt. So einfach ist kaufmännische Logik.