Mann der objektiven KontrolleCrommes Aufstieg an die Spitze, der seinen Anfang beim französischen Traditionskonzern Saint-Gobain nahm, markiert vor allem die Fusion der beiden Ruhrkonzerne Thyssen und Krupp zum größten deutschen Stahlunternehmen, die maßgeblich auf ihn zurückgeht. Seit sechs Jahren führt er dort den Aufsichtsrat und sitzt damit an der Schnittstelle zwischen dem Vorstand und der einflussreichen Krupp-Stiftung, die als größter Aktionär das Schicksal des Unternehmens maßgeblich mitbestimmt. Dass Cromme eines Tages selbst die Führung der Stiftung übernehmen wird, gilt längst als ausgemacht.
Ganz oben rangiert der promovierte Jurist seit Jahren auf der Rangliste der begehrtesten Aufsichtsräte. Der größte deutsche Stahlhersteller, die größte Versicherung, der größte Energie- und der größte Baukonzern - Crommes Mandate als Kontrolleur decken fast die gesamte Spitze der deutschen Wirtschaft ab.
Als Chef der Regierungskommission für transparente Unternehmensführung steht er wie kein Zweiter für objektive Kontrolle. Und über die nach ihm benannte Kommission sichert sich Cromme zugleich einen festen Platz im Einflussbereich der Bundesregierung.
Welche Macht der hagere, öffentlichkeitsscheue Manager hinter den Kulissen tatsächlich ausspielt, ist häufig nur schwer zu ermitteln. Dass er etwa bis 2005 drei Jahre lang auch den Finanzinvestor KKR beraten hat, hat Cromme nie öffentlich gemacht. In dieser Zeit soll er dem Private-Equity-Haus zahlreiche Türen geöffnet haben - ein Dienst, für den KKR kaum einen besseren Berater hätte finden können.