Der italienische Präsident Giorgio Napolitano bestimmt über das Schicksal der italienischen Regierung
Die italienische Verfassung gesteht dem Staatspräsidenten diesen Spielraum zu. Der 85-jährige Napolitano ist ein politischer Präsident. Mehrmals rief er vom Quirinalshügel, wo er seinen Amtssitz hat, die streitende Mitte-links-Koalition zur Ordnung. Seine Kritik machte auch vor der Opposition nicht halt: Er ermahnte die beiden großen politischen Lager, die sich harte, gelegentlich schmutzige Auseinandersetzungen lieferten. Mehr politischer Stil, forderte der Präsident.
Gentleman unter Italiens Kommunisten
Er selbst macht es ihnen vor. Napolitano, Jurist aus Neapel, war immer der Gentleman unter Italiens Kommunisten. Ein Herr mit feinen Manieren und eleganten, wenn auch nicht überteuerten Anzügen. Einer, der an seinem hervorragenden Englisch feilte, während die Genossen Russisch paukten. Staatstragendes Auftreten und der fehlende Hass auf Besserverdienende trugen ihm den Ruf ein, ein Rechter unter den extremen Linken zu sein. Sie brachten ihn von 1996 bis 1998 ins Amt des Innenministers, als ersten Kommunisten überhaupt.