Ob er dennoch der Präsident aller Italiener sein werde, wurde Napolitano gefragt. "Sonst hätte ich nicht akzeptiert", war seine Antwort. Mit dem 80-Jährigen zieht einer der großen alten Männer der italienischen Politik im Quirinalspalast ein. Einer von denen, auf die Italien zurückgreift, wenn es eng wird: Der ursprünglich vorgesehene 57-jährige Massimo D'Alema, Präsident der Linksdemokraten, war politisch zu dezidiert. Da musste es wieder einer der Alten machen, wie schon bei der Wahl seines jetzt 85-jährigen Vorgängers Carlo Azeglio Ciampi.
Erfahrener Politiker
Seit 53 Jahren sitzt Napolitano im Parlament. 1992 wurde er dessen Präsident, in dem Jahr, als das System in einem Strudel von Korruption und Affären unterging. In der ersten Regierung Prodi diente er als Innenminister, als erster Kommunist in diesem Amt. Noch heute bescheinigt ihm Christdemokrat Casini eine "großartige Leistung".
Kampfkommunist war Napolitano indes nie: Er führte die nach dem Ende des Kalten Kriegs aus der Kommunistischen Partei entstandenen Linksdemokraten in die Union mit den europäischen Sozialisten. Er lernte sein ausgezeichnetes Englisch, als bei den Genossen Russisch auf dem Stundenplan stand. Nebenbei schrieb er Gedichte und Bücher im Dialekt Neapels, seiner Geburtsstadt. Vor wenigen Jahren enthüllte eine Literaturzeitschrift sein Pseudonym, Tommaso Pignatelli. "Mit meinem eigenen Namen hätte das Buch Rezensionen und Preise bekommen. So lebt es sein eigenes Leben", sagte Napolitano.