Am liebsten arbeitet Günter Herz im Verborgenen. So nimmt es wenig Wunder, dass die Vermögensverwaltung des Hamburger Milliardärs nicht seinen Namen trägt. Über der Klingel zu seiner Residenz am feinen Jungfernstieg der Hansestadt steht schlicht Mayfair GmbH. von Martin Scheele und Birgit Dengel
Der ehemalige Tchibo-Miteigner Günter Herz plant seinen nächsten Coup
Von hier aus spinnt der als reserviert und scheu geltende Ex-Eigner des Tchibo-Konzerns seine Fäden und prüft lukrative Investitionsobjekte. Für einen Moment steht er nun wieder im Rampenlicht, denn der 67-Jährige will die Schiffsklassifizierungsgesellschaft Germanischer Lloyd (GL) kaufen. Damit ist ein Bieterwettkampf mit dem französische GL-Konkurrenten Bureau Veritas und dem deutschen TÜV Süd entbrannt. Käme Herz zum Zuge, wäre eines gewiss: Der passionierte Anhänger des Trabrennsports und Segelns würde sich in die Unternehmensstrategie des Germanischen Lloyd stark einmischen.
Herz gilt als Unternehmer vom alten Schlag - sehr engagiert, aber mitunter stur. Herz habe oft eigene Vorstellungen, wie es in einem Unternehmen zu laufen habe, hieß es etwa, als er in den Aufsichtsrat von Puma einzog. Er sei es nicht gewohnt, Abstriche zu machen. Die Investition bei Puma - er hält mit seiner Schwester Daniela etwas mehr als 25 Prozent der Anteile und damit die Sperrminorität - war die erste dieser Art nach dem lauten Abgang aus dem Tchibo-Konzern und der Auszahlung der Gesellschaftsanteile in Höhe von hübschen 4 Mrd. Euro.
Der teils heftige Streit mit den Geschwistern samt kalt geschmiedeten Intrigen hatte Dramencharakter. Eine theaterreife Grundlage allen Zwistes hatte schon der Vater gelegt, mit der auslegbaren Formulierung im Testament, nach der "zwei meiner fähigsten Jungen" die Mehrheit an dem Kaffeeröster halten sollten. Nach schier endlosen Machtkämpfen mit den Geschwistern hatte Günter Herz Anfang 2001 den Chefposten abgegeben, den er bereits im Alter von 24 Jahren übernommen hatte. Häufig bewies er ein glückliches Händchen als Unternehmer: Er war es, der den Handel mit Gebrauchsartikeln zum heute wichtigsten Tchibo-Standbein entwickelte. Er heckte den Einstieg bei Beiersdorf und die Übernahme der Zigarettenfirma Reemtsma aus. Der Kauf des einstigen Erzrivalen Eduscho galt als weiterer Meilenstein seiner Ära als Tchibo-Chef.
Gestern wie heute lasten den reichen Kaufmann seine Hobbys nicht aus. Mehr noch: Die nun avisierte Akquisition des Germanischen Lloyd beweist seinen Willen, stets nach Perlen in der deutschen Unternehmenslandschaft Ausschau zu halten. Ein weiterer Einstieg bei einer deutschen Firma scheint da nur noch eine Frage der Zeit. Wie ein Kenner der Materie der FTD sagte, habe Herz zuletzt mehrere Firmen genau geprüft, unter anderem einen MDax-Konzern.
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