Parteikader mit viel EinflussZum Dissidenten machte die Erfahrung staatlicher Willkür in den 70er Jahren Jiang indes nicht: Er ist einer von 24 Wirtschaftsmanagern im erweiterten Zentralkomitee der Kommunistischen Partei. Das macht ihn zu einem einflussreichen Parteikader. Er berät Zentralbankchef Zhou Xiaochuan und mischt sich per Interviews in die Zinspolitik ein.
Zudem unterhält er gute Beziehungen zu US-Finanzminister Hank Paulson. Der heutige Goldman-Sachs-Chef umwarb den Chinesen und vermittelte dessen Tochter eine Praktikantenstelle bei der US-Bank. Goldman wiederum durfte noch im April 5,75 Prozent der ICBC-Anteile kaufen, weit unter dem nun angepeilten Börsenwert. Auch Jiangs Aufruf an deutsche Investoren, damals in Frankfurt, war von Erfolg gekrönt: Die Allianz kaufte 2,25 Prozent der Aktien.
Vor zwei Jahren sprach Jiang auch vom großen Druck, der auf chinesischen Bankchefs lastet. Wohl keine Koketterie: Die Reformnot ist riesig, und zwei Chefs bei anderen Staatsbanken fielen in den vergangenen Jahren Korruptionsaffären zum Opfer.