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Merken   Drucken   22.10.2006, 19:57 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Jiang Jianqing: Bankchef aus der Kohlengrube

Jiang Jianqing ist Chef der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), dem größten Kreditinstitut des Landes. Nun führt der hochgewachsene Chinese die mächtige Staatsbank zum größten Börsengang aller Zeiten. von Mark Böschen
Jiang Jianqing führt Chinas mächtigste Staatsbank ICBC zum ...   Jiang Jianqing führt Chinas mächtigste Staatsbank ICBC zum größten Börsengang aller Zeiten
Gute 1,85 Meter misst der Gast aus China, der zum Rednerpult im Saal der KfW Bankengruppe in Frankfurt hinaufgeht. Manch einer im versammelten Fachkreis des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft wirkt erstaunt über die Statur des Chinesen. Dabei ist der Mittfünfziger mit der wuchtigen Brille in seiner Heimat gewohnt, der Größte zu sein: Jiang Jianqing führt die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), das größte Kreditinstitut des Landes nach Bilanzsumme. Mit ruhiger Stimme spricht er auf Chinesisch zu den deutschen Managern. Seine Bank suche Anschluss an internationale Standards, sagt er und bittet: "Wenn wir an die Börse gehen, hoffe ich, dass Sie unsere Aktien kaufen!"
Das war im August 2004. Gut zwei Jahre später ist es so weit: Jiang bringt die Staatsbank an die Börse, das Emissionsvolumen bei der Erstnotiz am kommenden Freitag beträgt 22 Mrd. $. Es ist der weltweit größte Börsengang bis dato - angeführt von einem Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, der sechs Jahre seiner Jugend als Bauer gelebt hat und drei Jahre in einer Kohlenmine arbeitete.
Selbst gemessen an den gebrochenen Biografien seiner Generation sind die Gegensätze in Jiangs Lebenslauf ungewöhnlich. Jiang, Jahrgang 1953, ist ein Opfer der vom Großen Vorsitzenden Mao Zedong entfachten Kulturrevolution. Als 17-Jähriger wurde er 1970 wie viele Städter aufs Land verschickt. Erst 1979, nach Maos Tod, kehrte er nach Schanghai zurück, arbeitete in einer Bank und besuchte eine Abendschule. Zwei Jahre später konnte er endlich studieren, während im Land die Wirtschaftsreform begann. 1986 trat er in die Schanghaier Filiale der ICBC ein, 14 Jahre später erklomm er den Posten des Vorstandschefs der Bank.
Parteikader mit viel Einfluss
Zum Dissidenten machte die Erfahrung staatlicher Willkür in den 70er Jahren Jiang indes nicht: Er ist einer von 24 Wirtschaftsmanagern im erweiterten Zentralkomitee der Kommunistischen Partei. Das macht ihn zu einem einflussreichen Parteikader. Er berät Zentralbankchef Zhou Xiaochuan und mischt sich per Interviews in die Zinspolitik ein.
Zudem unterhält er gute Beziehungen zu US-Finanzminister Hank Paulson. Der heutige Goldman-Sachs-Chef umwarb den Chinesen und vermittelte dessen Tochter eine Praktikantenstelle bei der US-Bank. Goldman wiederum durfte noch im April 5,75 Prozent der ICBC-Anteile kaufen, weit unter dem nun angepeilten Börsenwert. Auch Jiangs Aufruf an deutsche Investoren, damals in Frankfurt, war von Erfolg gekrönt: Die Allianz kaufte 2,25 Prozent der Aktien.
Vor zwei Jahren sprach Jiang auch vom großen Druck, der auf chinesischen Bankchefs lastet. Wohl keine Koketterie: Die Reformnot ist riesig, und zwei Chefs bei anderen Staatsbanken fielen in den vergangenen Jahren Korruptionsaffären zum Opfer.
  • Aus der FTD vom 23.10.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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