Freitag will sich zu seinem Engagement bei Tchibo (Umsatz: 9 Mrd. Euro) nicht äußern. Von den Aktien ist indes keine einzige im Streubesitz. So wird im Unternehmen, das eine Mehrheitsbeteiligung am Nivea-Hersteller
Beiersdorf hält, vermutet, er habe seine Papiere von Joachim Herz erworben. Dieser liegt mit seinen Brüdern Michael und Wolfgang im Clinch, Freitag solle nun im Auftrag des Bruders das Aktionärstreffen aufmischen - ein Albtraum für die auf Diskretion bedachte Familie.
Lob auch von den ärgsten Feinden
Dass Freitag nie zimperlich mit seinem Gegenüber umgeht, bewies er jüngst auf der Hauptversammlung der HVB. "Wenn sich der Staatsanwalt wegen 30 Mio. Euro für Esser interessiert, dann müsste sich ein Heer von Staatsanwälten dafür interessieren, was hier abläuft", giftete er. Freitag, der Medizin, Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften studierte und die Henri-Nannen-Journalistenschule besuchte, geht nach eigenen Angaben seit seinem 15. Lebensjahr zu Aktionärstreffen. "Ich besuche keine Hauptversammlungen, um Schneisen im Büfett zu hinterlassen oder Weihrauch für die Verwaltung aufsteigen zu lassen", sagte er einst.
Eines attestieren ihm selbst seine ärgsten Feinde: Er sei immer sehr gut vorbereitet, "er könnte morgen mit einem Katalog von bis zu 300 Fragen auftauchen", traut ihm ein Anwalt zu, der Freitag von vielen Auseinandersetzungen vor Gericht kennt - und damit die Anwesenden zu einem Verfahrensfehler verleiten. Über die Beweggründe des Investments wird indes heftig spekuliert. Es könnten persönliche Motive eine Rolle spielen: "Es ist bemerkenswert, wie er in diesen geschlossenen Kreis überhaupt reingekommen ist", sagt einer seiner Rivalen.