FTD.de » Management + Karriere » Management » Kirsten Harms: Im Auge des Orkans

Merken   Drucken   27.09.2006, 20:55 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Kirsten Harms: Im Auge des Orkans

Es war alles andere als ein Spielzeitauftakt nach Maß für die Deutsche Oper in Berlin und ihre Intendantin Kirsten Harms. Aus Angst vor Anschlägen islamistischter Terroristen hatte die Leitung am Montag kurzerhand Wolfgang Amadeus Mozarts "Idomeneo" abgesetzt. von Martin Scheele und Thomas Steinmann
Kirsten Harms entfachte mit der "Idomeneo"-Absetzung ...   Kirsten Harms entfachte mit der "Idomeneo"-Absetzung einen Sturm der Entrüstung
Die Entscheidung löste eine aufgeregte Debatte über die Freiheit der Kunst und den Respekt vor religiösen Gefühlen aus, die vielleicht nur durch den Streit über die Mohammed-Karikaturen im Frühjahr übertroffen wurde.
Dabei hat sich die in Hamburg geborene 50-Jährige bisher vornehmlich aus politischen Diskussionen herausgehalten. Ihre Lieblingsthemen sind eher seltene Werke wenig bekannter Komponisten, hoffnungsvolle Nachwuchstalente und ihre eigene künstlerische Arbeit, die sie vor zwei Jahren an das zweitgrößte deutsche Opernhaus in Berlin geführt hat.
Harms startete ihre Karriere 1981 an der Braunschweiger Oper mit einer Inszenierung von György Ligetis "Nouvelles Aventures". Seit ihrem achtjährigen Intermezzo in Kiel ist bekannt, dass sie sich auskennt mit der Macht der Bilder: Richard Wagners "Ring der Nibelungen" inszenierte sie praktisch ohne Bühnenbild.
Der nun entfachte Streit über die Absetzung der Oper, der sich am Montag über der Intendantin zusammenbraute, trifft Harms zu einer Zeit, in der sie ohnehin von Kritikern umstellt ist. Theaterliebhaber werfen Harms ein zu schwaches künstlerisches Profil vor. Viele der 2000 Plätze blieben zuletzt leer. In die Riege der Unzufriedenen reihte sich jüngst auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ein. Harms müsse in dieser Spielzeit zeigen, was sie könne, verlangte Wowereit.
Seit ihrem Amtsantritt muss sich Harms zudem mit unangenehmen fachfremden Dingen herumschlagen. Der Frau, die meist weiß gekleidet in der Öffentlichkeit auftritt, hat die Order, im Hause kräftig zu sparen - und trotzdem mehr Zuschauer in die Oper zu locken.
Am Montag dann rückte die Intendantin schlagartig in den Mittelpunkt eines Streits, der für sie offensichtlich eine Nummer zu groß war. Wie auch immer sie nach den Warnungen des Berliner Landeskriminalamts vor einer möglichen Anschlagsgefahr entscheiden würde - öffentliche Kritik war ihr sicher. Hätte es tatsächlich Angriffe gegeben, wäre ihr vorgeworfen worden, sie habe die Warnungen missachtet. Nun, da sich Harms zur vorläufigen Absetzung der Oper durchgerungen hat, heißt es, sie habe feige und in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Terroristen gehandelt.
Am Mittwoch immerhin erhielt Harms Rückendeckung von Berlins Innensenator Erhard Körting. Er frage sich, sagte Körting, warum die meisten Redaktionen in Deutschland auf die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen verzichtet hätten.
  • Aus der FTD vom 28.09.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote