Der nun entfachte Streit über die Absetzung der Oper, der sich am Montag über der Intendantin zusammenbraute, trifft Harms zu einer Zeit, in der sie ohnehin von Kritikern umstellt ist. Theaterliebhaber werfen Harms ein zu schwaches künstlerisches Profil vor. Viele der 2000 Plätze blieben zuletzt leer. In die Riege der Unzufriedenen reihte sich jüngst auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ein. Harms müsse in dieser Spielzeit zeigen, was sie könne, verlangte Wowereit.
Seit ihrem Amtsantritt muss sich Harms zudem mit unangenehmen fachfremden Dingen herumschlagen. Der Frau, die meist weiß gekleidet in der Öffentlichkeit auftritt, hat die Order, im Hause kräftig zu sparen - und trotzdem mehr Zuschauer in die Oper zu locken.
Am Montag dann rückte die Intendantin schlagartig in den Mittelpunkt eines Streits, der für sie offensichtlich eine Nummer zu groß war. Wie auch immer sie nach den Warnungen des Berliner Landeskriminalamts vor einer möglichen Anschlagsgefahr entscheiden würde - öffentliche Kritik war ihr sicher. Hätte es tatsächlich Angriffe gegeben, wäre ihr vorgeworfen worden, sie habe die Warnungen missachtet. Nun, da sich Harms zur vorläufigen Absetzung der Oper durchgerungen hat, heißt es, sie habe feige und in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Terroristen gehandelt.
Am Mittwoch immerhin erhielt Harms Rückendeckung von Berlins Innensenator Erhard Körting. Er frage sich, sagte Körting, warum die meisten Redaktionen in Deutschland auf die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen verzichtet hätten.