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Merken   Drucken   01.11.2006, 20:51 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Klaus Jacobs: Jacobs Krönung

Manche haben es Klaus Jacobs übel genommen, dass er vor 33 Jahren den Sitz der väterlichen Kaffeerösterei in die Schweiz verlagert hatte. Dass er einen Schweizer Pass besitzt, mag einen Verdacht der Entfremdung weiter genährt haben. von Andre Tauber
Klaus Jacobs, Ex-Kaffee-Unternehmer, schafft sich in seiner ...   Klaus Jacobs, Ex-Kaffee-Unternehmer, schafft sich in seiner Geburtsstadt Bremen ein Denkmal
"Ich bin Bremer, Schweizer, Europäer. In dieser Reihenfolge, bitte!", stellte er später klar. Und nun setzt er ein gewaltiges Zeichen, dass die Aussage belegen soll: 200 Mio. Euro wird seine Stiftung der International University Bremen spenden, die im Gegenzug in Jacobs University Bremen umbenannt wird. Die Familie Jacobs wird damit auf lange Zeit mit der Hansestadt untrennbar verbunden bleiben. Schweizer Pass hin oder her.
Ein Großteil des Familienvermögens hat seinen Ursprung in der Stadt an der Weser. Der heute 69-jährige Jacobs gibt es in protestantischer Manier wieder zurück. In Deutschland sei das Mäzenatentum nicht ausgeprägt genug, bemängelt er. Nun möchte er ein Beispiel geben.
Jacobs hat sich zweimal von Neuem ein Imperium aufbauen müssen. Das erste Mal begann er als 35-Jährige, der seinem Vater den Chefposten das Kaffeerösters abtrotzte. Mit neuen Ideen baute er ab 1972 den Konzern zum Kaffee- und Schokoladenimperium Jacobs Suchard auf. Als das Geschäft stärker unter Druck geriet, verkaufte er die interessanten Konzernteile an den US-Konzern Philip Morris. Die Schweizer geißelten das damals als unpatriotischen Akt. Es sei die einzige wirkliche Krise seines Lebens gewesen, sagte er später. Aus den Resten des Konzerns baute Jacobs später ein neues Imperium auf, nachdem er seine Geschwister herausgekauft hatte. Die Sparte mit der Rohkakao-Verarbeitung, die heute unter dem Namen Barry Callebaut firmiert, baute er zum Branchenführer auf.
Zuletzt überraschte er die Unternehmenswelt, als er im November 2005 die Macht in der angeschlagenen Zeitarbeitsfirma Adecco übernahm. Als Mehrheitsaktionär und CEO setzte er ein neues Geschäftsmodell durch und kaufte sich durch die Übernahme des deutschen Rivalen DIS eine neue Führungsmannschaft ein. Adecco ist seither im Aufwind.
Jacobs liegen Jugend-, Kultur- und Umweltprojekte besonders am Herzen. Sein Firmenvermögen hat er 2001 auf die Jacobs Stiftung übertragen. Diese Stiftung hält Beteiligungen an Firmen für Finanzdienste, Sportrechte, Pferdezucht und Windsurfing.
Jacobs hat angekündigt, die Jacobs University in Bremen oft zu besuchen und nach dem Rechten zu schauen. Dazu wird er bald mehr Zeit haben. Die Weichen für einen Rückzug aus der aktiven Unternehmensführung hat Jacobs bereits gestellt. Im kommenden Jahr wird er als Verwaltungsratspräsident von Adecco zurücktreten. Seinem Sohn Andreas hat er zunehmend mehr Verantwortung in der Holding übertragen. Aber auch sein Alterssitz bietet Arbeit genug: Das englische Gestüt will Jacobs noch in diesem Jahr in die Gewinnzone bringen.
  • Aus der FTD vom 02.11.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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