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Merken   Drucken   04.12.2006, 19:55 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Lars Hinrichs: Pionier mit geliehener Erfahrung

Der Händedruck des blonden Hamburgers passt eher zu einem Hafenarbeiter als zu einem schmächtig gebauten Internetunternehmer; fast quetscht Lars Hinrichs einem die Hand. Das könnte Tatendrang signalisieren, aber auch Unsicherheit verbergen. von Mark Böschen
Lars Hinrichs, Symbolfigur der Web-2.0-Generation, bringt OpenBC an ...   Lars Hinrichs, Symbolfigur der Web-2.0-Generation, bringt OpenBC an die Börse
Beides wäre am Tag des Roadshow-Starts verständlich. Denn der 29-Jährige will gestandene Fondsmanager überzeugen, dass sein vor drei Jahren gegründetes Unternehmen mit einem Umsatz von 6 Mio. Euro im abgeschlossenen Geschäftsjahr heute um die 200 Mio. Euro wert sein soll. Wenn er es schafft, wäre er mit dem Börsenstart am Donnerstag Multimillionär - denn er verkauft selbst bis zu 2,4 Prozent des Unternehmens.
Am Montag, eine Woche nach dem Roadshow-Start, legte OpenBC die Preisspanne auf 30 bis 38 Euro pro Aktie fest. Die Internetplattform für Businesskontakte wäre am oberen Rand 197 Mio. Euro wert. Der 40-Prozent-Anteil von Hinrichs und seiner Frau Daniela, der Kommunikationschefin von OpenBC, ist zur Preisspanne 62 bis 79 Mio. Euro schwer. Genug Geld, um eine Woche nach dem Debüt in der Penthouse-Wohnung stilvoll den 30. Geburtstag zu feiern.
Wichtigstes Geburtstagsgeschenk
Wenn der Börsengang von OpenBC gelingt und Hinrichs damit sein wichtigstes Geburtstagsgeschenk bekommt, wäre auch in Deutschland der Internetboom zurück. Zudem würde der Hamburger den Erfolg der Web-2.0-Generation an der Börse personifizieren - und könnte endlich eine schwere persönliche Niederlage vergessen machen. Es war im Jahr 1998, als er schon einmal ein Unternehmen gegründet hatte. Damals 22 Jahre alt, scheiterte er. Die Internetplattform Politik-Digital war kein kommerzieller Erfolg, seine Kommunikationsberatung Böttcher Hinrichs gibt es heute nicht mehr.
Aus dem Fehlschlag dürfte der Spross einer Hamburger Kaufmannsfamilie gelernt haben, wie wichtig kaufmännische Erfahrung ist. Diesmal hat er sie teuer eingekauft: Über zwölf Prozent von OpenBC schenkte er vor einem Jahr seinem Berater William Liao, einem Australier chinesischer Abstammung. Gemessen an der Preisspanne, ist das Präsent von Hinrichs an Liao zwischen 15 und 19 Mio. Euro wert.
Liao sei "das Brain hinter Hinrichs", sagt ein nicht am Börsengang beteiligter Investmentbanker. "Er hilft mir als jungem Unternehmer, dieses Geschäft aufzubauen", sagt Hinrichs. Liao verbringe sehr viel Zeit in Hamburg und habe einige Prozesse bei OpenBC "absolut optimiert, darunter auch den Börsengang", sagt Hinrichs: "Insofern ist der Preis, den er realisiert, absolut gerechtfertigt." Liao arbeitet seit den 80er-Jahren in der Technologiebranche. Er habe mehrere Börsengänge begleitet, heißt es im Prospekt. Für den Aufsichtsrat des Kontaktnetzes ist Liao noch aus einem anderen Grund geeignet. "Er ist genauso ein Netzwerker wie ich", sagt Hinrichs über seinen Partner.
  • Aus der FTD vom 05.12.2006
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