Transnet-Chef Lothar Krauß
Krauß muss sein Profil schärfenSeit 2000 ist Krauß der zweite Mann bei Transnet. Aus dem Schatten seines Vorgängers
Norbert Hansen , der die Seite wechselt und Arbeitsdirektor der Bahn wird, trat er nie hinaus. Als erster Mann muss Krauß nun an Ansehen gewinnen - nicht nur aus persönlichem Interesse, sondern auch zum Wohl seiner Organisation: Transnet laufen die Mitglieder davon - auch weil die Lokführergewerkschaft GDL beim großen Konkurrenten wildert. Schon bei den Tarifverhandlungen im nächsten Jahr dürften Transnet und die weit kleinere GDL wieder aneinandergeraten.
Daneben muss Krauß die offenen Baustellen schließen, die ihm Vorgänger Hansen hinterlassen hat. Beispielsweise ist das Verhältnis zum Deutschen Gewerkschaftsbund gestört - der Dachverband hatte sich, im Gegensatz zu Hansen, stets gegen eine Privatisierung der Bahn ausgesprochen. Im Vorstand war Krauß bislang für Betriebsverfassung, Mitbestimmung, Jugend und Ausbildung zuständig - nicht eben Felder, mit denen man öffentlich an Reputation gewinnt. "Er entspricht dem alten Bild eines Gewerkschaftlers", sagt ein Bahn-Manager.
2004 erhielt Krauß bei seiner Wiederwahl zum Transnet-Vize 83 Prozent der Stimmen. Sein Vorstandskollege Alexander Kirchner, der nun zum Stellvertreter aufsteigt, glänzte mit 95 Prozent - auch intern ist für Krauß also Luft nach oben. Ins Bild passt, dass Hansen als Nachfolger lieber Kirchner als ihn gesehen hätte. An diesem Freitag, wenn der Transnet-Beirat Krauß endgültig zum Chef küren soll, wird er klare Worte zur Zukunft seiner Organisation finden müssen. Im November stellt sich der Oldtimer- und Eintracht-Frankfurt-Fan dann dem Gewerkschaftstag. Bis dahin dürfte die Bahn schon an der Börse sein.