Kopf des Tages:Michael Börnicke - Raus aus dem Schatten
Michael Börnicke gilt als ruhig und zurückhaltend. Dennoch spaltete der künftige Chef des Bezahlfernsehsenders Premiere die Kenner der Medienbranche in zwei Lager. von Nicola de Paoli und Katrin Elger (Hamburg)
Die Finanzwelt fasste den Wechsel gelassen auf und nannte Börnicke eine fähige Besetzung. "Herr Börnicke, der schon lange im Unternehmen ist, könnte für mehr Stabilität des Aktienkurses sorgen", sagte beispielsweise WestLB-Analyst Gepa Tiemann. In der Medienbranche selbst sorgte der Wechsel eher für Stirnrunzeln: "Die Finanzer gewinnen mittlerweile überall die Oberhand. Bunter wird die Medienlandschaft dadurch sicher nicht", sagte ein Branchenexperte.
Michael Börnicke beerbt Georg Kofler
Börnicke tritt ein schweres Erbe an. Bislang hatte der 46 Jahre alte Finanzexperte eher im Schatten des Medien-Zampanos und Premiere-Chefs Georg Kofler gestanden. Während dieser starke Worte und große Auftritte liebte, sorgte Börnicke im Hintergrund dafür, dass die Bilanzen des Bezahlfernsehsenders stimmten.
Auch am Montag gab sich Börnicke, der in Mülheim an der Ruhr geboren wurde, betont nüchtern. Er setze auf Kontinuität und werde die von Kofler vorgenommenen Weichenstellungen weiterführen, teilte der neue Premiere-Chef in einer Stellungnahme mit: "Die Steigerung der Abonnentenzahl und des Umsatzes pro Abonnement sind meine vorrangigen Ziele für die kommenden Jahre."
Bei den Anlegern sorgte das nicht gerade für viel Fantasie. Die Premiere-Aktien fielen am Montag um fast vier Prozent unter 18 Euro. "Kofler war der beste Chef, den man sich für Premiere vorstellen konnte", sagte Sonia Rabussier, Analystin bei Sal. Oppenheim, der Nachrichtenagentur Reuters. "Börnicke ist nicht Kofler."
Zielorientiert und machtbewusst
Insider betonen jedoch, dass sich der studierte Betriebswirtschaftler, der seine Karriere bei der HypoVereinsbank in München startete, zielgerichtet und machtbewusst bis zur Unternehmensspitze von Premiere hochgearbeitet habe. "Der Aufgabenbereich von Börnicke ging bereits weit über den eines reinen Finanzvorstandes hinaus", sagte ein Unternehmenskenner. Kofler habe Börnicke von langer Hand als Nachfolger aufgebaut.
Die Zusammenarbeit der beiden Medienmanager begann bereits in den 90er-Jahren als Kofler die damalige ProSieben Television GmbH führte. Gemeinsam brachten sie im Jahr 1997 die ProSieben Media AG an die Börse, gemeinsam überstanden sie auch die Wirren nach der Pleite der Kirch-Mediengruppe 2002. Börnicke kennt Premiere sogar länger als Kofler, er wechselte vier Jahre früher als Kofler zum Bezahlsender.
Der scheidende Premiere-Chef Kofler trat am Montag Spekulationen entgegen, dass Börnicke an der Spitze des Münchner Senders eventuell keine Dauerlösung sei. Sein "engster Partner und Weggefährte" habe Fähigkeiten, die weit über das Finanzressort hinausgingen, sagte er. "Er ist ganz sicher kein Übergangskandidat, sondern eine hervorragende, langfristige Lösung."
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