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Merken   Drucken   17.05.2007, 20:41 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Ralf Heckmann - Der dritte Mann

Wenn Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Sonntagnachmittag den Tagesordnungspunkt zwei aufruft, muss Ralf Heckmann den Hauptteil seiner Arbeit schon getan haben - die Arbeitnehmervertreter auf den neuen Siemens-Chef einzuschwören. von Thomas Fromm, Sven Clausen
Der 57-jährige Gesamtbetriebsratsvorsitzende ist nicht nur Vizeaufsichtsratschef, sondern neben Cromme und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann das dritte Mitglied im Präsidium. Dessen Hauptaufgabe: Vorschläge für die Auswahl der Vorstandsmitglieder für den Rest des Aufsichtsrats. Heckmann muss die Arbeitnehmervertreter im 20-köpfigen Aufsichtsrat im Idealfall schon vor der Sitzung auf die Linie der Dreierrunde bringen, um zermürbende Diskussionen zu verhindern.
Ralf Heckmann   Ralf Heckmann
Die Autorität dazu hat er wie kaum ein Zweiter: Der IG Metaller sitzt seit 1988 im Aufsichtsrat - und gilt daher nicht nur wegen seiner Position im Präsidium als graue Eminenz. Der mächtigste Arbeitnehmervertreter im Konzern war stets ein treuer Stellvertreter des inzwischen über die Schmiergeldaffäre gestürzten Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer. "Die beiden verstanden sich gut, auf Heckmann konnte sich von Pierer stets verlassen", heißt es bei Siemens. Wie weit die Verbindung der beiden ging, zeigt, dass man sich auch zum privaten Kartenspielen traf.
Extrem verschwiegen und loyal
Bilderserie Bilderserie: Der perfekte Siemens-Kandidat
In seinem Abschiedsgruß an von Pierer schrieb Heckmann vor einigen Wochen: "Herr von Pierer hat es immer verstanden, die Arbeitnehmerinteressen mit den Unternehmensinteressen in Einklang zu bringen." Von Pierers Entscheidung zurückzutreten sei "als Ausdruck seiner hohen moralischen Verantwortung für das Unternehmen" zu sehen. Umso schwerer muss es Heckmann gefallen sein, die Demontage von Pierers am Ende zu unterstützen. Der Fall von Pierer zeigt aber auch eine andere wichtige Seite Heckmanns: Er ist pragmatisch genug, um sich zeitig auf neue Machtkonstellationen einzustellen.
Heckmann gilt innerhalb des Arbeitnehmerflügels als extrem verschwiegen und loyal. Für viele IG Metaller ist er daher ein "Grenzgänger" - im Auftrag der IG Metall unterwegs, die Interessen des Konzerns aber immer fest im Blick.
Zuletzt hatte er den Zorn vieler Kollegen auf sich gezogen, als er in einem Zeitungsinterview mit Bezug auf die Schmiergeldaffäre sagte, er wolle nicht für jeden IG-Metall-Betriebsratsvorsitzenden bei Siemens die Hand ins Feuer legen. "Wir gehen davon aus, dass auch in unseren Reihen Fälle hochkommen werden", sagte Heckmann. Populär war dies in den eigenen Reihen kaum: Gerade war die Affäre um dubiose Zahlungen von Siemens an den Gründer der Anti-IG-Metall-Arbeitnehmervereinigung AUB ins Rollen gekommen. Oberwasser für die IG Metall, doch Heckmann hat eben immer auch Siemens im Blick.
16:26:33 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Siemens 68,58 EUR   +2,25%  1.51
  • Aus der FTD vom 18.05.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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