Als Robert Kotick kürzlich nach seinem favorisierten Videospiel gefragt wurde, musste der 44-Jährige passen. Nun steigt der Activision-Chef zum mächtigsten Manager der Videospiel-Branche auf.
von Jennifer Lachman
Gelegentlich beschäftige er sich mit dem "Guitar Hero", meinte der Manager. Doch seine Erfolge als virtueller Rockstar halten sich nach eigenem Bekunden in Grenzen. Deutlich besser als im Umgang mit dem Kassenschlager macht sich Kotick, Chef des US-Videospieleanbieters Activision, am Verhandlungstisch. Durch die Verschmelzung seines Unternehmens mit der Spielesparte des französischen Mischkonzerns Vivendi steigt er nun zur Nummer eins unter den Videospiele-Managern auf. Branchenprimus Electronic Arts rutscht durch die geplante Fusion auf den zweiten Platz.
Activision-Chef Robert Kotick
In der Branche zeigt man sich über den Coup wenig überrascht. Schon seit Jahren gilt Kotick als einer der gewieftesten Manager der Videospiele-Szene. Als er 1991 an die Spitze von Activision kam, stand das Unternehmen kurz vor dem Bankrott. Während andere Anbieter massenweise Mitarbeiter entließen, entschied sich Kotick für das Gegenteil: Er nahm vielversprechende Spieleentwickler unter Vertrag und bemühte sich um medienwirksame Partnerschaften mit berühmten Persönlichkeiten wie dem US-Skateboarding-Star Tony Hawk.
Die Strategie ging auf: Zahlten Kotick und ein Geschäftspartner 1990 noch 440.000 $, um die Kontrolle über den Vorgänger von Activision zu erlangen, liegt der Börsenwert des Konzerns inzwischen bei rund 7,5 Mrd. $. Branchenkenner sagen dem Manager mit dem jungenhaften Aussehen ein extremes Gespür für mögliche Trends nach.
Den Instinkt für breite Publikumstrends erklärt Kotick - der statt in Jeans und T-Shirt stets im feinen Anzug auftritt - mit seiner eigenen Herkunft und Motivation: "Ich bin kein Techie", wehrt er sich gegen das typische Image eines Silicon-Valley-Managers: "Ich bin der Kapitalist, der Typ, der sich darauf versteht, den ganzen Spaß aus dem Spielen zu nehmen."
Als cleverer Unternehmer bewies er sich schon früh. Seine Wurzeln in der Computerindustrie reichen bereits in seine Zeit als Student zurück. Er hatte zunächst ein Studium an der University of Michigan begonnen, doch wenig später schon einige Kurse angefangen zu schwänzen. Schließlich gab er das Studium komplett auf. Stattdessen gründete er in seinem Wohnheim seine erste Softwarefirma. Kotick, der aus Long Island vor den Toren der Metropole New York City stammt, war das Studium zu theoretisch. Eine Erkenntnis, die ihn bis heute prägt: Nach eigener Aussage kommen ihm viele seiner Ideen, wenn er seinen drei jungen Töchtern beim Spielen zuschaut.
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