Andererseits: Die Belegschaft ist stets streikbereit und hat dies auch im Krisenjahr 2006 gern und ausdauernd gezeigt. Prodi muss auch ihnen entgegenkommen, will er nicht den Aufstand von Kapitänen und Stewardessen riskieren - und nationale Erregung über einen Ausverkauf der ehemals so stolzen Fluggesellschaft.
Geld für ein Jahr
Der kleine Unterschied ist, dass das Land Italien nicht kurzfristig Konkurs gehen wird. Über Alitalia schwebt diese Gefahr, und sie ist sehr real. Ein Jahr noch reichten die flüssigen Mittel, teilte das Unternehmen mit. Scheitert der Verkauf, ist die Pleite nahezu unausweichlich. Vielleicht reicht Lavieren, wiewohl Prodis große Stärke, diesmal nicht.
Die Bieter wollen Stellen abbauen und unrentable Strecken streichen, die Alitalia täglich weiter ins Minus fliegen. Sie fordern, die Regierung solle eine Art Insolvenzverfahren einleiten und vor einer Übernahme Ballast abwerfen.
Prodi, der in seiner ersten Amtszeit als Premierminister Ende der 90er-Jahre schon die Privatisierung von Staatsbetrieben vorangetrieben hatte, versucht, diesen entgegenzukommen. Aber nicht zu sehr: Regierungskreise deuten eine "generelle Flexibilität" an, ohne zu erklären, was das heißt - und ohne zu sagen, wie das mit den Ausschreibungsunterlagen zusammenpassen soll. Die verpflichten Käufer dazu, die 19.000 Beschäftigten bei Alitalia und der ausgegliederten Servicegesellschaft langfristig zu übernehmen und auch das Streckennetz unangetastet zu lassen, ebenso wie den italienischen Charakter der Fluglinie.
Daran soll es vorerst nicht mangeln: Der Premierminister ist es längst gewöhnt, Kompromisse einzugehen. Nur: In der Politik kann Prodi die Schuld auf den Wähler schieben, der ihm eine so fragile Mehrheit beschert hat. Im Herbst machte der Premier es sich zur persönlichen Aufgabe, Alitalia zu retten. Diese Zwickmühle hat er sich selbst gebaut.