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Merken   Drucken   29.01.2007, 21:49 Schriftgröße: AAA

Kopf desTages: Romano Prodi: In der Zwickmühle

Der geplante Verkauf der italienischen Nationalfluggesellschaft Alitalia sollte eigentlich eine leichte Übung für Premierminister Romano Prodi sein: Denn Lavieren ist er gewohnt. von Florian Eder
Romano Prodi will Alitalia-Bietern Zugeständnisse machen, ohne die ...   Romano Prodi will Alitalia-Bietern Zugeständnisse machen, ohne die Belegschaft zu verschrecken
Prodi muss ehemalige Kommunisten in seiner Neun-Parteien-Koalition befriedigen und solche, die es immer noch sind, er muss einen Ausgleich mit Ex-Christdemokraten und veritablen Sozialdemokraten suchen, und das alles unter dem Druck erheblicher ökonomischer Schwierigkeiten.
Das alles im Kleinen hat Prodi auch beim Verkauf von mindestens 30 Prozent der Anteile an Alitalia , die heute noch zu 49,9 Prozent im Besitz des Staates ist. Am Montagabend lief die Frist ab, bis zu der Bieter ihr Interesse äußern mussten. Investoren wollen Prodi nun unter Druck setzen, um freie Hand zu haben bei der Sanierung der Gesellschaft, die seit Jahren hohe Verluste einfliegt. Prodi muss ihnen nachgeben, will er, dass Alitalia ernsthaft gerettet wird.
Andererseits: Die Belegschaft ist stets streikbereit und hat dies auch im Krisenjahr 2006 gern und ausdauernd gezeigt. Prodi muss auch ihnen entgegenkommen, will er nicht den Aufstand von Kapitänen und Stewardessen riskieren - und nationale Erregung über einen Ausverkauf der ehemals so stolzen Fluggesellschaft.
Geld für ein Jahr
Der kleine Unterschied ist, dass das Land Italien nicht kurzfristig Konkurs gehen wird. Über Alitalia schwebt diese Gefahr, und sie ist sehr real. Ein Jahr noch reichten die flüssigen Mittel, teilte das Unternehmen mit. Scheitert der Verkauf, ist die Pleite nahezu unausweichlich. Vielleicht reicht Lavieren, wiewohl Prodis große Stärke, diesmal nicht.
Die Bieter wollen Stellen abbauen und unrentable Strecken streichen, die Alitalia täglich weiter ins Minus fliegen. Sie fordern, die Regierung solle eine Art Insolvenzverfahren einleiten und vor einer Übernahme Ballast abwerfen.
Prodi, der in seiner ersten Amtszeit als Premierminister Ende der 90er-Jahre schon die Privatisierung von Staatsbetrieben vorangetrieben hatte, versucht, diesen entgegenzukommen. Aber nicht zu sehr: Regierungskreise deuten eine "generelle Flexibilität" an, ohne zu erklären, was das heißt - und ohne zu sagen, wie das mit den Ausschreibungsunterlagen zusammenpassen soll. Die verpflichten Käufer dazu, die 19.000 Beschäftigten bei Alitalia und der ausgegliederten Servicegesellschaft langfristig zu übernehmen und auch das Streckennetz unangetastet zu lassen, ebenso wie den italienischen Charakter der Fluglinie.
Daran soll es vorerst nicht mangeln: Der Premierminister ist es längst gewöhnt, Kompromisse einzugehen. Nur: In der Politik kann Prodi die Schuld auf den Wähler schieben, der ihm eine so fragile Mehrheit beschert hat. Im Herbst machte der Premier es sich zur persönlichen Aufgabe, Alitalia zu retten. Diese Zwickmühle hat er sich selbst gebaut.
  • Aus der FTD vom 30.01.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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