Nach fast einem Jahr Suche haben Klatten und der ihr gegenüber loyale Vorstand unter Nikolaus Schweickart die Wahl getroffen: den von Finanzinvestoren gehaltenen dänischen Konzern Nycomed. Am Donnerstag soll der Aufsichtsrat zustimmen.
Klatten zieht sich mit hübschem Gewinn aus dem Pharmageschäft zurück, trotz des unerwartet niedrigen Verkaufspreises von voraussichtlich um die 4 Mrd. Euro. Denn Klatten hat erfreut erleben können, wie in knapp 30 Jahren aus einem kleinen Abspaltprodukt des Varta-Konzerns ein Milliardenunternehmen in der Dax-30-Landschaft wurde.
Doch das Image der sozial verantwortlichen Industriellen ist angekratzt. Sie hatte ihren Ruf bei der Verkaufsankündigung pflegen wollen, als Schweickart betonte, nicht an einen Finanzinvestoren zu verkaufen. Pech: Niemand sonst war interessiert. Die Zusage wurde damit Makulatur.
Klatten tritt öffentlich so wenig auf wie möglich. Wo es unvermeidlich ist, hält sie sich im Hintergrund - ob bei gesellschaftlichen Veranstaltungen daheim oder den Festlichkeiten zum Altana-Börsengang in New York. Als Tochter von Herbert Quandt geboren, ließ sie sich nach dem Abitur zur Werbekauffrau ausbilden, studierte Betriebswirtschaft in Großbritannien. Sie war Assistentin der Geschäftsführung bei Burda, widmete sich ab 1991 Aufsichtsratstätigkeiten in Unternehmen, an denen sie Beteiligungen als Miterbin ihres Vaters erhalten oder selbst erworben hatte. Das "Manager Magazin" führte sie in seiner Liste der reichsten Deutschen zuletzt auf Platz drei mit geschätzten 7,8 Mrd. Euro.