Als Schelsky Ende 1990 den Konzern verlässt und sich mit einer Reihe von Beratungsunternehmen selbstständig macht, beginnt die eigentliche Geschichte: So soll Siemens nicht nur jahrelang Millionenbeträge an Schelskys Firmen überwiesen haben, um so die AUB und damit ein Gegengewicht zur IG Metall aufzubauen. Wenn Schelskys Ausführungen stimmen, kam der Auftrag für die Mission von ganz oben - vom Siemens-Zentralvorstand.
Als Schelsky vor Jahren eine Plakataktion für die AUB in München organisiert hatte, kamen erstmals kritische Nachfragen aus den eigenen Reihen. Wie das denn alles finanziert werde bei einem Mitgliedsbeitrag von 8 Euro im Monat? "Das braucht dich nichts anzugehen", soll Schelsky gesagt haben. Schroff sei er gewesen und gleichzeitig charismatisch. "Vor allem bei den Frauen kam sein eigenartiger Charme an", erinnert sich ein weibliches AUB-Mitglied.
Seit Jahren trat der frühere Handballspieler auch als Sponsor von Sportvereinen auf: Die Profi-Handballerinnen des 1. FC Nürnberg gehörten dazu, der VfB Forchheim und ein Dresdner Volleyballteam. Zuletzt fiel der Antibetriebsrat vor allem wegen seines luxuriösen Lebensstils auf: eine Villa an der Ostsee, ein Haus in Kanada, mehrere Segelboote, eine Jacht, ausgiebige Golftouren. Dass sich Schelsky in all den Jahren bereichert haben soll, weist sein Anwalt zurück.