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Merken   Drucken   05.11.2006, 20:10 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Wulf Bernotat: Hürdenläufer mit langem Atem

Den politischen und juristischen Sieg über die spanische Energieaufsicht nimmt Wulf Bernotat ohne Jubel zur Kenntnis. Dass die offensichtlich unzulässigen Bedingungen für eine Übernahme des spanischen Energieunternehmens Endesa auf Dauer keinen Bestand haben würden, hatte der Eon-Chef längst einkalkuliert. von Matthias Ruch
Wulf Bernotat, Eon-Chef, gerät beim geplanten Großeinkauf in ...   Wulf Bernotat, Eon-Chef, gerät beim geplanten Großeinkauf in Spanien wieder unter Zugzwang
Er demonstriert öffentlich Gelassenheit und Zuversicht und bündelt im Konzern alle Kräfte für einen langen und zähen Übernahmekampf um den spanischen Konzern.
Allein, der 58-jährige Vorstandschef hat gewichtige Sorgen: Der geplante Großeinkauf in Spanien wird von Woche zu Woche teurer. Die Endesa -Aktie steigt und steigt - und Bernotat kommt damit nun schon wieder unter Zugzwang.
Dabei hatte er seine Offerte für Endesa Ende September gerade erst um fast 40 Prozent auf 37 Mrd. Euro aufgestockt. Mit diesem Schritt hatte er den spanischen Mischkonzern Acciona in die Schranken weisen wollen - diesen hartnäckigen Rivalen, der plötzlich seine Liebe für die heimische Energiewirtschaft entdeckt hat. Seit diesem Tag steht Bernotat vor einem Rätsel: Was will Acciona? Und was kann Eon tun, um gegen den spanischen Abwehrblock doch noch zum Erfolg zu kommen?
"Wir sind nach wie vor dabei, unsere Ziele in Spanien zu verwirklichen", stellte Bernotat in der vergangenen Woche in Düsseldorf erneut klar und ließ keine Zweifel an seiner Kampfbereitschaft aufkommen. Dass der Jurist den Willen und die Ausdauer hat, auch längere Gefechte bis zum Ende auszutragen, hat er in seinem mittlerweile 30-jährigen Berufsleben mehrfach bewiesen. Nach 20 Jahren beim Shell-Konzern war Bernotat 1996 zum damaligen Mischkonzern Veba gewechselt, der dann vier Jahre später mit Viag fusionierte und seitdem Eon  heißt. 2003 stieg Bernotat dann an die Spitze des neuen Konzerns auf - und fügt seitdem zusammen, was sein Vorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann, zuvor eingekauft hatte.
Bernotats Bilanz lässt sich sehen: Eon ist heute der größte private Energiekonzern Europas - und kann weiter wachsen. Die gut gefüllte Kriegskasse jedenfalls setzt der Fantasie kaum eine Grenze. Umso ärgerlicher, dass die spanischen Behörden, die Regierung in Madrid und jetzt auch noch ein rätselhafter Mischkonzern dem Eon-Chef so viele Steine in den Weg legen. Damit konnten selbst Pessimisten nicht rechnen. Die Entscheidung, notgedrungen noch einmal ein paar Milliarden draufzulegen oder doch auf Endesa zu verzichten, wird Bernotat vor seinem Aufsichtsrat und den Aktionären vertreten müssen.
Gelänge der Deal, dürfte der Eon-Chef auf eine Vertragsverlängerung über das Jahr 2008 hinaus hoffen. Seine neuen, jungen Vorstandskollegen hätten damit noch etwas Zeit, sich für den Chefsessel zu empfehlen.
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