"Wir sind nach wie vor dabei, unsere Ziele in Spanien zu verwirklichen", stellte Bernotat in der vergangenen Woche in Düsseldorf erneut klar und ließ keine Zweifel an seiner Kampfbereitschaft aufkommen. Dass der Jurist den Willen und die Ausdauer hat, auch längere Gefechte bis zum Ende auszutragen, hat er in seinem mittlerweile 30-jährigen Berufsleben mehrfach bewiesen. Nach 20 Jahren beim Shell-Konzern war Bernotat 1996 zum damaligen Mischkonzern Veba gewechselt, der dann vier Jahre später mit Viag fusionierte und seitdem
Eon heißt. 2003 stieg Bernotat dann an die Spitze des neuen Konzerns auf - und fügt seitdem zusammen, was sein Vorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann, zuvor eingekauft hatte.
Bernotats Bilanz lässt sich sehen: Eon ist heute der größte private Energiekonzern Europas - und kann weiter wachsen. Die gut gefüllte Kriegskasse jedenfalls setzt der Fantasie kaum eine Grenze. Umso ärgerlicher, dass die spanischen Behörden, die Regierung in Madrid und jetzt auch noch ein rätselhafter Mischkonzern dem Eon-Chef so viele Steine in den Weg legen. Damit konnten selbst Pessimisten nicht rechnen. Die Entscheidung, notgedrungen noch einmal ein paar Milliarden draufzulegen oder doch auf Endesa zu verzichten, wird Bernotat vor seinem Aufsichtsrat und den Aktionären vertreten müssen.
Gelänge der Deal, dürfte der Eon-Chef auf eine Vertragsverlängerung über das Jahr 2008 hinaus hoffen. Seine neuen, jungen Vorstandskollegen hätten damit noch etwas Zeit, sich für den Chefsessel zu empfehlen.