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Merken   Drucken   20.07.2006, 20:56 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Zipi Livni: Bewahrerin von Scharons Erbe

"Es war wundervoll", sagt Zipi Livni, "aber ich habe Dinge gelernt, die ich nicht gebrauchen kann." So urteilt Israels Außenministerin und stellvertretende Regierungschefin über ihre vier Jahre beim Geheimdienst Mossad. von Joachim Zepelin
Israels Außenministerin Zipi Livni   Israels Außenministerin Zipi Livni
Zuvor hat die Mutter von zwei Söhnen bei der Armee gedient, wo sie es bis zum Leutnant brachte. Livni kommt in den kommenden Wochen im Nahostkonflikt eine Schlüsselrolle zu. Denn je blutiger die Auseinandersetzung wird, desto dringlicher wird eine diplomatische Lösung. Der Chefdiplomatin Israels, erst seit Mai im Amt, steht damit ihre größte Herausforderung bevor. Direkte Verhandlungen mit der radikalismalischen Hisbollah lehnte sie bislang jedoch kategorisch ab.
Mit dem bewaffneten politischen Kampf kennt sich Livni von Kindesbeinen an aus. Ihr Vater Eitan war ein in Polen geborener radikaler Zionist. Als Anführer gehörte er der Organisation Irgun an, die im Untergrund gegen Araber und Briten in Palästina operierte. 1946 sprengte die Gruppe das britische Hauptquartier im King David Hotel in die Luft und tötete dabei 91 Menschen.
Dem Likud schloss sich Livni auch an, als die heute 48-Jährige 1999 ihre Politikerkarriere startete. Ministerpräsident Ariel Scharon, ihr politischer Ziehvater, holte die Knesset-Abgeordnete schon kurz darauf ins Kabinett. Sie war Ministerin für regionale Zusammenarbeit, Landwirtschaft und Einwanderungsfragen, bevor sie Anfang 2005 das Justizressort übernahm. Dort war sie auch an der Entscheidung über den einseitigen Rückzug aus Gaza beteiligt.
Bruch mit einer Reihe von Selbstverständlichkeiten
Verbunden damit war der Bruch mit einer Reihe von Selbstverständlichkeiten für Likud-Politiker, etwa der Forderung nach einer Ausdehnung Israels über die Grenzen von 1967 hinaus. Als sich der Likud 2005 spaltete, war es für Livni selbstverständlich, Scharon in dessen neue Partei Kadima zu folgen.
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Die pragmatische Politik Scharons ist es auch, die sie als Sachwalterin des noch immer im Koma liegenden ehemaligen Regierungschefs vertritt. Der Abzug aus den besetzten Gebieten, die Sicherung des israelischen Kernlands als jüdischer Staat und die Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaats gehören für die 48-Jährige zu den politischen Grundfesten.
Seit Amtsantritt ist Livni mit heiklen Missionen betraut. So reiste sie in Hauptstädte, um vor der neuen Regierung der radikalislamische Hamas in den Palästinensergebieten zu warnen: "Wahlen können keine Reinwaschung für Terroristen sein und sie nachträglich legitimieren", sagte sie. Jetzt wirbt sie für Israels hartes Vorgehen gegen die Hisbollah und bereitet gleichzeitig die Diplomatie für die Zeit danach vor.
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