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Merken   Drucken   13.04.2009, 17:32 Schriftgröße: AAA

Krach um HSH-Nordbank: HSH-Desaster bedroht Deka-Chef Waas

Die Krise der HSH Nordbank gefährdet den Chef des Fondskonzerns Deka. Nach FTD-Informationen zählt Franz Waas zu den Hauptverdächtigen bei den Untersuchungen, die der HSH-Aufsichtsrat gegen frühere Vorstände eingeleitet hat. von Sven Clausen (Hamburg)
Franz Waas arbeitete bis Ende 2005 als Kapitalmarktchef für die Landesbank. Seit Anfang 2006 ist der 48-Jährige Vorstandsvorsitzender der Deka, des Fondsanbieters der Sparkassen mit mehr als 3500 Beschäftigten.
HSH-Aufsichtsratschef Wolfgang Peiner hatte vor Ostern mitgeteilt, dass er die Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer prüfen lasse, ob Ex-Vorstände Pflichtverletzungen begangen haben, die letztlich zur Schieflage der Bank führten. "Man muss sich fragen, ob Waas beim Aufbau des Wertpapierportfolios die nötige Vorsicht hat walten lassen", sagte ein Beteiligter. Die HSH Nordbank steckt nach Milliardeninvestitionen in inzwischen fast wertlose Geldanlagen in lebensbedrohlichen Problemen.
Neben Waas stehen der ehemalige Risikovorstand Hartmut Strauß sowie die früheren Vorstandschefs Alexander Stuhlmann und Hans Berger im Mittelpunkt der Prüfungen. Erst kürzlich haben Hamburg und Schleswig-Holstein der Bank insgesamt 3 Mrd. Euro frisches Kapital und Kreditgarantien über 10 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt und ihre Länderhaushalte dadurch extrem belastet. Zuvor hatte die Bank für das Jahr 2008 einen Verlust von 2,8 Mrd. Euro gemeldet.
Deka-Chef Franz Waas   Deka-Chef Franz Waas
Grundlage für die Attacke auf die Ex-Vorstände ist ein Krisenbericht des Sonderprüfers KPMG im Auftrag des HSH-Aufsichtsrats - das Konvolut umfasst zehn Bände mit mehr als 2000 Seiten. KPMG hatte dabei auch die alten Berichte des Abschlussprüfers BDO nochmals kontrolliert. Die Tonlage im KPMG-Bericht sei kritisch, sagte ein Eingeweihter. Sollte Freshfields Anhaltspunkte für Pflichtverletzungen finden, also etwa fahrlässige Vernachlässigung von Kontrollmechanismen, sind Schadensersatzklagen wahrscheinlich. Ein Verbleib Waas' an der Deka-Spitze wäre in einem solchen Fall schwer denkbar. Stuhlmann, Berger und Strauß sind derzeit ohne Amt.
Die Aktion gegen die früheren Vorstände dient dem Aufsichtsrat auch als Absicherung der eigenen Kontrollarbeit. In Kiel formiert sich zurzeit ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Sachen HSH Nordbank. Zudem nahm die Hamburger Staatsanwaltschaft kürzlich Ermittlungen wegen Untreue auf. Wie der "Spiegel" berichtet, hat der Rechtsanwalt Gerhard Strate, auf den die Untersuchung zurückgeht, seine Strafanzeige gegen die Bank mittlerweile erweitert. Strate zufolge versäumten die Abschlussprüfer, vor einem Klumpenrisiko zu warnen und dies im Rahmen ihres Prüfberichts zu vermerken. Stattdessen hätten die Kontrolleure zugelassen, dass die HSH Milliardensummen außerhalb der Bilanz führt.
  • Aus der FTD vom 14.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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