FTD.de » Management + Karriere » Management » Geld ist kein Problem

Merken   Drucken   24.09.2010, 06:00 Schriftgröße: AAA

Kreditklemmen-Debatte: Geld ist kein Problem

Der Mittelstand hatte in der Krise kaum Liquiditätsprobleme. Viele Unternehmen fanden einen Ausweg, um der viel zitierten Kreditklemme zu entgehen. Sie knabberten lieber ihre Rücklagen an, statt zur Bank zu gehen. von Claus G. Schmalholz
Dass die große Krise viele Mittelständler wegen latenter Kapitalknappheit in existenzielle Nöte bringen würde, galt bislang als gesicherte Erkenntnis. Die Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners hat nun einfach mal nachgefragt bei mittelständischen Unternehmen - und kommt anhand der Antworten von über 100 Eigentümern und Entscheidern zu einem ganz anderen Ergebnis.
Nur ein geringer Teil der Unternehmen war der Umfrage zufolge im vergangenen Jahr von einer Kreditklemme betroffen. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Firma wegen restriktiver Kreditvergabe der Banken beeinträchtigt war, obwohl über 75 Prozent der Befragten in der Krise teils deutliche Umsatzeinbußen verzeichneten.
Nur fünf Prozent der Unternehmer sahen ihre Firma wegen ...   Nur fünf Prozent der Unternehmer sahen ihre Firma wegen restriktiver Kreditvergabe der Banken beeinträchtigt
Mehr als die Hälfte der Unternehmer und Entscheider (54 Prozent) fühlten sich trotz dieser schwierigen Bedingungen keineswegs von einer Kreditklemme gehandicapt. Dank einer oftmals sehr komfortablen Ausstattung mit Eigenkapital konnte fast jedes zweite mittelständische Unternehmen Finanzierungsprobleme mit Eigenmitteln lösen, etwa durch die teilweise Auflösung von Rückstellungen oder die Einbehaltung von Gewinnen.
"Viele mittelständische Unternehmen verfügen über Eigenkapitalquoten von 50 bis 70 Prozent", sagt Harald Schedl, der Autor der Studie, "so konnten viele auch ohne Hilfe der Banken kurzfristige Engpässe überbrücken." Schedl kennt auch Unternehmenseigentümer, die aus ihrem Privatvermögen Kapital übertrugen, damit sie nicht bei den Banken Geld leihen mussten.
Als Grund für dieses Verhalten nennen die Unternehmer die höhere Risikoscheu der Banken. Viele Institute forderten in Folge der Finanz­krise mehr Sicherheiten von ihren Kunden und erhöhten somit deutlich die Hürden für eine Kreditaufnahme. "Inzwischen müssen die Unternehmen oftmals auch bei ihrer Hausbank einen detaillierten Geschäftsplan vorlegen, um einen Kredit zu bekommen", sagt Schedl. Und dort saß den Mittelständlern dann häufig - statt ihres langjährigen Bankberaters - ein fremder Risikomanager gegenüber, der viele Forderungen stellte.
Als Reaktion darauf verzichteten viele Unternehmer auf das Geld der Banken und knabberten stattdessen lieber ihre Rücklagen an. Dass die Banken selbst zu wenig Kreditvolumen haben, glauben die Mittelständler der Umfrage zufolge nicht, gleichwohl sehen sie die Lage aber recht entspannt. Über 40 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich die Verfügbarkeit von Krediten bis zum kommenden Jahr wieder verbessern wird.
Um die Zukunft ihrer Unternehmen ist den Mittelständlern nicht bang. Zwei Drittel der Befragten halten die Talsohle der Krise für durchschritten. Über 40 Prozent konnten trotz der Krise die Zahl ihrer Beschäftigten konstant halten oder sogar ­weiter ausbauen. Und ebenfalls über 40 Prozent der Befragten wollen noch im laufenden Jahr zusätzliches Personal einstellen.
  • FTD.de, 24.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote