Der Mittelstand hatte in der Krise kaum Liquiditätsprobleme. Viele Unternehmen fanden einen Ausweg, um der viel zitierten Kreditklemme zu entgehen. Sie knabberten lieber ihre Rücklagen an, statt zur Bank zu gehen. von Claus G. Schmalholz
Dass die große Krise viele Mittelständler wegen latenter Kapitalknappheit in existenzielle Nöte bringen würde, galt bislang als gesicherte Erkenntnis. Die Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners hat nun einfach mal nachgefragt bei mittelständischen Unternehmen - und kommt anhand der Antworten von über 100 Eigentümern und Entscheidern zu einem ganz anderen Ergebnis.
Nur ein geringer Teil der Unternehmen war der Umfrage zufolge im vergangenen Jahr von einer Kreditklemme betroffen. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Firma wegen restriktiver Kreditvergabe der Banken beeinträchtigt war, obwohl über 75 Prozent der Befragten in der Krise teils deutliche Umsatzeinbußen verzeichneten.
Nur fünf Prozent der Unternehmer sahen ihre Firma wegen restriktiver Kreditvergabe der Banken beeinträchtigt
Mehr als die Hälfte der Unternehmer und Entscheider (54 Prozent) fühlten sich trotz dieser schwierigen Bedingungen keineswegs von einer Kreditklemme gehandicapt. Dank einer oftmals sehr komfortablen Ausstattung mit Eigenkapital konnte fast jedes zweite mittelständische Unternehmen Finanzierungsprobleme mit Eigenmitteln lösen, etwa durch die teilweise Auflösung von Rückstellungen oder die Einbehaltung von Gewinnen.
"Viele mittelständische Unternehmen verfügen über Eigenkapitalquoten von 50 bis 70 Prozent", sagt Harald Schedl, der Autor der Studie, "so konnten viele auch ohne Hilfe der Banken kurzfristige Engpässe überbrücken." Schedl kennt auch Unternehmenseigentümer, die aus ihrem Privatvermögen Kapital übertrugen, damit sie nicht bei den Banken Geld leihen mussten.
Als Grund für dieses Verhalten nennen die Unternehmer die höhere Risikoscheu der Banken. Viele Institute forderten in Folge der Finanzkrise mehr Sicherheiten von ihren Kunden und erhöhten somit deutlich die Hürden für eine Kreditaufnahme. "Inzwischen müssen die Unternehmen oftmals auch bei ihrer Hausbank einen detaillierten Geschäftsplan vorlegen, um einen Kredit zu bekommen", sagt Schedl. Und dort saß den Mittelständlern dann häufig - statt ihres langjährigen Bankberaters - ein fremder Risikomanager gegenüber, der viele Forderungen stellte.
Als Reaktion darauf verzichteten viele Unternehmer auf das Geld der Banken und knabberten stattdessen lieber ihre Rücklagen an. Dass die Banken selbst zu wenig Kreditvolumen haben, glauben die Mittelständler der Umfrage zufolge nicht, gleichwohl sehen sie die Lage aber recht entspannt. Über 40 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich die Verfügbarkeit von Krediten bis zum kommenden Jahr wieder verbessern wird.
Um die Zukunft ihrer Unternehmen ist den Mittelständlern nicht bang. Zwei Drittel der Befragten halten die Talsohle der Krise für durchschritten. Über 40 Prozent konnten trotz der Krise die Zahl ihrer Beschäftigten konstant halten oder sogar weiter ausbauen. Und ebenfalls über 40 Prozent der Befragten wollen noch im laufenden Jahr zusätzliches Personal einstellen.
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