Jeffrey Immelt, Chef von General Electric, plädiert für die Ideenentwicklung in Schwellenländern
Umgekehrte Innovation
IBM war radikal, General Electric (GE) ging aber noch weiter. In einem Artikel für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Harvard Business Review" beschreibt GE-Chef Jeff Immelt zusammen mit Vijay Govindarajan und Chris Trimble von der Tuck School of Business am Dartmouth College, wie sich das Unternehmen durch sogenannte "umgekehrte Innovation" ans globale Zeitalter angepasst hat.
GE entschied sich gegen den Ansatz, nach dem alle großartigen Ideen, die im Heimatmarkt entwickelt wurden, für ärmere Kunden in Schwellenländern angepasst werden sollten. Stattdessen müssen einige Innovationen zunächst in den Schwellenmärkten entwickelt und so bepreist werden, dass sie für die Kunden vor Ort attraktiv sind. Später können diese neuen Produkte und Dienstleistungen gegebenenfalls in reife Märkte zurückgebracht werden, und das Unternehmen kann von den Kostenvorteilen durch diese umgekehrte Innovation profitieren.
Schwellenmärkte als Labors
Beispielsweise hat GE in Indien ein EKG-Handgerät entwickelt, das 1000 $ kostet - rund ein Zehntel des Preises des in den USA entwickelten (und unhandlicheren) Originalgeräts. In China hat das Unternehmen ein tragbares Ultraschallgerät eingeführt, das für 15.000 $ erhältlich ist. Auch dieses ist um Vieles billiger als das Modell, das GE auf dem chinesischen Markt zu verkaufen versuchte. Beide Innovationen waren nicht nur in Schwellenmärkten erfolgreich, sondern fanden auch in den USA bei den Kunden Anklang.