Der Handel als Verführer?
Bedeutet dies, dass sich Handelsunternehmen sowie Marketing und Vertrieb von Herstellern nun vermehrt Gedanken darüber machen, wie sie Verbrauchern Produkte in der Einkaufssituation nahe bringen, die diese eigentlich gar nicht benötigen? Wer kennt sie nicht, die Geschichten, dass man immer mit mehr Produkten aus dem Supermarkt kommt, als man eigentlich kaufen wollte? Entstammen diese der Realität oder handelt es sich dabei etwa nur um nachträgliche rationalisierende Darstellungen von teilweise irrationalem Verbraucherverhalten.
Wie so häufig ist die Sache nicht so klar und einfach. Handel definiert sich schon seit jeher unter anderem durch das Zusammenbringen von Menschen, ihren Bedarfen und ihren Bedürfnissen auf der einen Seite und den Waren und Produkten, die diese erfüllen können, auf der anderen Seite. Beide Komponenten unterliegen einem ständigen Wandel. Bestand der Bedarf früher aus eher einfachen Gütern so sind es heute z.B. Erdbeeren zu Weihnachten, gleichgültig, was davon aus ökologischer Sicht zu halten ist.
Einkauf als Prozess
In der Shopper-Insight-Forschung, also dem Forschungszweig der Marktforschung, der sich mit dem Aufdecken der Verhaltensweisen und Motive beim Einkauf befasst, hat sich durchgesetzt, den Einkauf als Prozess zu sehen, der nicht erst mit dem Betreten des Geschäfts beginnt, sondern weit früher. Um diesem Gedanken Rechnung zu tragen, wurden Begriffe wie die "Shopper Journey" oder "Path to Purchase" geprägt. Sie reflektieren, dass es sich bei dem Shopper und dem Konsumenten um ein und dieselbe Person handelt, die sich allerdings in unterschiedlichen Umfeldern bewegt. Entsprechend des Umfeldes gestalten sich Bedürfnisse unterschiedlich. Folgt man dem, dann hat der Kunde auch an den Einkauf Bedürfnisse, die sich je nach Phase des Einkaufsprozesses unterscheiden.