Auf einen Schlag haben die Autobauer das zerstört, was sie über Jahre mühsam aufgebaut hatten. Großzügig spendierten sie in der Vergangenheit Klettergerüste für Schüler, verteilten Bälle an Sportler oder sponserten Jazzkonzerte. Hielten immer die Fahne hoch, wenn es um gesellschaftliche oder ökologische Verantwortung ging. Doch jetzt, wo in der Öffentlichkeit der Ruf nach schadstoffärmeren Autos laut wird, haben die Autokonzerne plötzlich nichts mehr mit Umweltschutz am Hut. Mehr noch: Sie seien nicht verantwortlich für den Klimawandel, beteuern die Bosse. Und was da alles gefordert werde, das ginge sowieso nicht. Punkt. Ende der Diskussion.
Künftig wird es für die Konzernbosse schwerer, Lippenbekenntnisse abzuliefern. Dafür sorgt das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT). Die Berliner haben gemeinsam mit der schottischen University of St. Andrews ein Modell entwickelt, mit dem sich berechnen lässt, wie nachhaltig ein Unternehmen wirtschaftet.
Die Wissenschaftler sind der Frage auf den Grund gegangen, welche Unternehmen es am besten schaffen, Klima- und Umweltschutz mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden und gleichzeitig krisensichere Arbeitsplätze zu schaffen. Die Studie betrachtet insgesamt zehn ökonomische, ökologische und soziale Indikatoren wie beispielsweise den Kapitaleinsatz, den Wasserverbrauch, die Abfallmenge oder die Zahl der Arbeitsunfälle.
"Sustainable-Value-Ansatz"
"Ein Unternehmen schafft mit seinen Ressourcen dann Wert, wenn es mit diesen Ressourcen mehr Ertrag erzielt als andere Unternehmen", sagt der IZT-Umweltwissenschaftler Thomas Hahn. Das gelte auch für ökologische und soziale Ressourcen. Genau an diesem Punkt setzt der "Sustainable-Value-Ansatz" an. Frank Figge von der University of St. Andrews erklärt die Methode: "Verglichen wird die Ressourceneffizienz eines Unternehmens mit der Ressourceneffizienz des Marktes."
In einem ersten Schritt wird berechnet, was in der deutschen Volkswirtschaft im Schnitt verbraucht wird, etwa an Kohlendioxid oder Wasser. Dann wird ermittelt, was volkswirtschaftlich durch den Ressourcenverbrauch an Wert geschaffen wurde.
Daran wird jedes Unternehmen gemessen. Auf zehn unterschiedlichen Feldern lässt sich überprüfen, ob es besser oder schlechter mit den eingesetzten Ressourcen umgeht als der Durchschnitt. Der Unterschied lässt sich - praktischerweise - in Euro ausdrücken. "Das ist eine Sprache, die auch die Controller in den Unternehmen verstehen", sagt Hahn.