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Merken   Drucken   03.10.2009, 13:00 Schriftgröße: AAA

Leadership: Führung nach der Krise

Die Rezession hat die Führungsqualitäten von Firmenchefs weltweit auf die Probe gestellt, denn durch falsche Entscheidungen von Spitzenmanagern gingen Unternehmen in Branchen wie dem Bankwesen und der Autoindustrie unter. Jetzt steht die Frage: Wie weiter? von Richard Milne, London
Die Wirtschaft hat den schwersten Konjunkturabschwung seit sieben Jahrzehnten erlebt. Nun, da erste Anzeichen darauf hindeuten, dass ein vorsichtiger Optimismus an die Weltmärkte zurückkehrt und einige große Volkswirtschaften die Krise allmählich überstanden haben, stellt sich die Frage, wie sich Wirtschaftsführer auf die Welt nach der Krise vorbereiten sollten.
Benoît Potier, Chef des Industriegaseproduzenten Air Liquide, dürfte für viele sprechen, wenn er sagt, Führungskräfte müssten "ein bisschen schizophren sein". Der erste Instinkt sagt, man solle sich auf eine Erholung vorbereiten. "Wir bereiten uns bereits auf den Ausgang vor. Es geht darum, alle Motoren wieder zu starten und mehr Sprit zu tanken", so Potier. Doch Manager müssten einen geteilten Ansatz wählen, sagt der Air-Liquide-Chef: "Während man über Wachstum redet, muss man ganz straff die Kosten verwalten. Das heißt, man muss ganz nah an den Leuten draußen dran sein, mit ihnen reden, ihnen erklären, was man tut."
Auf alle Szenarien vorbereiten
Managementexperten zufolge ist es notwendig, sich auf eine Erholung der Wirtschaft vorzubereiten, ohne dabei automatisch davon auszugehen, dass es auch eine geben wird. "Selbstzufriedenheit sollte vermieden werden. Vielleicht sollte man gänzlich auf das Wort 'Erholung' verzichten", sagt Rob Goffee, Professor für Organisationstheorie an der London Business School.
Nicht überall das gleiche Szenario: So verschieden enden Krisen   Nicht überall das gleiche Szenario: So verschieden enden Krisen
Das Tempo, mit dem Volkswirtschaften zum Wachstum zurückkehren, hat einmal mehr gezeigt, dass man sich nicht zu sehr auf Prognosen verlassen sollte. Mark Thomas, Strategie- und Marketingleiter bei PA Consulting, sagt, Unternehmen sollten sich auf drei mögliche Szenarios vorbereiten: eine rasche V-förmige Erholung, eine viel langsamere L-förmige Erholung oder die allseits gefürchtete W-förmige Double-Dip-Rezession. "Für Führungskräfte ist das eine unbequeme Situation, aber wenn sie sich nur auf eine V-förmige Erholung verlassen, könnten sie nachher wirklich dumm dastehen", sagt Thomas. Hier könnte sich herauskristallisieren, wer wirklich Führungspersönlichkeit hat und wer nur in eine Richtung denkt.
Strategisches Umdenken nötig
Manager sind gefordert, genau zu prüfen, was sich in ihrer Branche verändert hat und wie sie sich an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen. "Ich glaube, die Menschen müssen sich vergegenwärtigen, dass ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat", sagt Nigel Knowles, Chef der Anwaltssozietät DLA Piper. "Nichts ist, wie es einmal war. Sie müssen jetzt überlegen, wo sie hin wollen und wie sie ausgehend von 2009, 2010 und darüber hinaus dorthin gelangen." Nach der Strategie, die vor dem Abschwung galt, dürften sie sich nicht mehr richten, so der DLA-Piper-Chef.
Das bedeutet, ein strategisches Umdenken ist vonnöten. Jeff Immelt, Chef des US-Mischkonzerns General Electric, sagt, die Unternehmenswelt - von der Regulierung bis zum Management - könne nicht zur Arbeitsweise von vor der Krise zurückkehren. Goffee fügt hinzu: "Es könnte sein, dass sich Bereiche der Wirtschaft nie mehr so weit erholen werden, wie wir sie jetzt wahrnehmen. Der Finanzdienstleistungssektor wird nicht mehr derselbe sein. Die Verbraucher werden stärker über Werte nachdenken."

Teil 2: Mehr Augenmerk auf Langfrist-Ziele - lesen Sie weiter.

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