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Merken   Drucken   21.04.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Leadership: Spaniens Vater des E-Commerce

Nach sieben Jahren Internatsdrill war Carlos Barrabés klar, dass er später einmal sein eigener Chef sein will. Als Leiter eines Onlineshops für Outdoor-Equipment hat er es geschafft. von Mark Mulligan
"Das waren die schwersten Jahre meines Lebens", sagt er. "Als ich dort zum letzten Mal die Tür hinter mir zumachte, habe ich mir geschworen, dass mich nie wieder jemand herumkommandiert."
Heute ist Barrabés 40, und er hat seinen Schwur gehalten. Zusammen mit seinem Bruder José gründete er in seinem Heimatort Benasque mitten in den spanischen Pyrenäen Barrabes.com. Er baute das Unternehmen zu einem weltweit beliebten Onlineladen für Bergausrüstung aus und hat jetzt das Geld, die Zeit und die Freiheit, in eine Reihe von IT-Start-ups zu investieren und sie zu beraten.
Ein Blick auf die Website von www.barrabes.com   Ein Blick auf die Website von www.barrabes.com
"Zukunftsprojekte innerhalb der großen Trends" interessieren ihn am meisten, sagt er. Dazu zählt er Mobilfunkanwendungen, Onlinevideos und soziale Netzwerke mit Werbeinhalten.
Einer der 200 Besten
Barrabés ist auch als Dozent und Redner gefragt. Dieses Jahr wurde zudem das Weltwirtschaftsforum auf ihn aufmerksam und nahm ihn in die Gruppe der 200 besten "Young Global Leaders" auf. In diesen Zirkel hat es aus Spanien außer ihm nur noch Verteidigungsministerin Carmé Chacón geschafft.
Die spanische Bank Banesto beschäftigt Barrabés nach wie vor als internen Berater für Kleinunternehmer. Als der Unternehmer kürzlich in einer Fernsehsendung gefragt wurde, was er denn eigentlich zu bieten habe, sagte er: "Wissen, Erfahrung und Partnerschaft."
Bezugsgröße für andere
An Barrabés' Bescheidenheit hat der Erfolg nichts geändert. Zum Interview kommt der Unternehmer leger gekleidet, ein Lächeln im Gesicht und mit geschliffenen Umgangsformen.
"Carlos Barrabés ist eine Bezugsgröße für spanische Unternehmen in der digitalen Welt", sagt Fernando Berlin, Geschäftsführer des spanischen Medienkonzerns Radiocable.com. "Er ist in unserem Land der Vater des E-Commerce."
Kein glatter Weg
Barrabes.com kam als wachsende Marke für Outdoor-Fans gut durch die Wirtschaftskrise. Der Ruf der Marke ist sogar so gut, dass er dem Unternehmen einmal fast zum Verhängnis wurde: 2002 zettelten traditionelle Einzelhändler in den USA einen regelrechten Krieg gegen das Onlineunternehmen an.
Sie forderten Fachmagazine auf, keine Werbung für Barrabes.com mehr zu schalten und wollten Hersteller dazu bringen, Barrabes.com nicht mehr zu beliefern. Beilegen konnte Barrabés den Konflikt erst durch komplexe Vertriebsvereinbarungen und Verträge, in denen genau festgelegt wurde, was Barrabes.com in welchem Teil der Welt verkaufen darf.
Das Erfolgsrezept des Onlinehändlers sind eine ständig wachsende Produktpalette und zuverlässige, schnelle Lieferungen. Die meisten Pakete sind binnen 24 Stunden beim Kunden.
Bereits vor dem Angriff durch die amerikanischen Einzelhändler hatte Barrabes.com zwei start-up-typische Hindernisse überwunden: eine hohe Fluktuation erfahrener Mitarbeiter und Kunden, die sich erst noch mit dem Internet vertraut machen müssen.

Teil 2: Lesen Sie, wie für die Barrabés-Brüder alles begann.

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