Malcolm Glazer hat ein dickes Fell. Seit Monaten ist der 76-jährige Milliardär aus den USA von den Anhängern des Fußballvereins Manchester United, eines der größten Klubs der Welt, zum Feind Nummer eins erklärt worden. von Thilo Schäfer
Der US-Milliardär Malcolm Glazer will Manchester United schlucken
Bei jedem Heimspiel im ehrwürdigen Stadion am Old Trafford wird der pausbäckige Unternehmer mit dem roten Bart von den Fans verflucht. Glazer-Puppen am Galgen gehören fast schon zum Standardrepertoire. Doch unbeirrt von den Protesten der United-Fans hat Glazer beharrlich an der Übernahme des börsennotierten Klubs gearbeitet.
Seit März 2003 erkaufte sich Glazer einen Anteil von 28 Prozent der Aktien. Nach langem Tauziehen sicherte sich der Milliardär am Donnerstag weitere 29 Prozent, die er den irischen Unternehmern John Magnier und John Paul MacManus abkaufte. Damit hält er die Mehrheit und bietet für die übrigen Aktien. Der Gesamtwert seiner Offerte: 790 Mio. £.
ManU-Fans protestieren gegen Malcolm Glazer. Sie fürchten die Ausbeutung ihres Fußballklubs
Ausbeutung befürchtet
Die Anhänger des mehrfachen englischen Meisters und Europapokalsiegers fürchten jedoch, dass Glazer sie ausbeuten wird. Wie das geht, hat er in Florida gezeigt. Glazer kaufte die abgetakelte American-Football-Mannschaft Tampa Bay Buccaneers. Zur Finanzierung des Deals wurden die Kartenpreise drastisch erhöht und das Merchandising-Potenzial ausgeschlachtet.
Glazer ist ein Selfmademan, wie ihn sich Hollywood nicht schöner ausmalen könnte. Der Sohn litauischer Einwanderer übernahm nach dem Tod seines Vaters mit 15 Jahren das Uhrengeschäft und baute es aus. "Der Tod meines Vaters war der tragischste Moment in meinem Leben. Aber es war gut, denn so wurde ich zu einem gestandenen Mann". Später investierte die Nummer 244 auf der "Forbes"-Liste der Superreichen in so ziemlich alles, was eine gute Rendite versprach, ob Lebensmittelverpackungen, Gas und Öl, Medien, Internet oder Immobilien. Doch am liebsten greift er nach großen Marken. Dabei gab es auch Rückschläge. Der Kauf des Baseballteams der Los Angeles Dodgers scheiterte ebenso wie die anvisierte Übernahme des legendären Zweiradbauers Harley Davidson.
ManU-Fans haben Malcolm Glazer zum Feind Nummer eins erklärt
Fans laufen Sturm
Mit Manchester hat er nun zwar den größten Coup gelandet. Doch der öffentlichkeitsscheue Glazer könnte sich verkalkuliert haben. Denn die Fans laufen Sturm. "Ich gebe meine Dauerkarte ab", sagte der Präsident von Shareholder United, Nick Towle. Dieser von Anhängern gegründete Interessenverein, der 17 Prozent der Anteile hält, stemmt sich gegen die komplette Machtübernahme des Amerikaners. Es ist zu erwarten, dass zahlreiche Fans Towles Beispiel folgen werden und ihren Lieblingsverein boykottieren könnten.
Glazer gelang es in Florida jedoch, die Ablehnung der Fans zu überwinden. Er spendete nach eigenen Angaben 1,5 Mio. $ in Projekte rund um Tampa Bay. "Wir sind Vorbilder. Kinder und Erwachsene schauen zu uns auf", sagte Glazer. Und 2003 gewannen die Buccaneers erstmals den Super Bowl.
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