Merken
Drucken
30.07.2008, 11:30
Schriftgröße: AAA
Manager an der Startlinie:
Lernen von den Sportstars
Sportliche Großereignisse wie die Fußball-EM, die Olympischen Spiele in Peking und selbst die umstrittene Tour de France sind für Manager kostenlose Weiterbildung. Denn Führungskräfte können sich von Sportlern eine Menge abschauen.
von Sabine Meinert
In den VIP-Lounges und Logen der großen Stadien zeigt es sich immer wieder: Bei Sportevents sind alle gleich. Auch Manager werden zu johlenden Fans, ja zu kleinen Kindern, wenn das erhoffte Tor fällt, ein Rekord gebrochen wird oder unerwartet die Qualifikation geschafft ist. Kein Wunder, sagt der Personal- und Kommunikationstrainer Olaf Kortmann. Denn Sport bietet eine breite Spielwiese für Gefühle - Nervosität vor dem Wettkampf, Anspannung, Glücksrausch beim Sieger, Trauer bei den Nicht-Platzierten, Mitleid für den unglücklich Ausgeschiedenen. Und Gefühle haben im Berufsleben meist wenig Platz. Angst, Freude, Nervosität und die restliche Gefühlspalette gibt es natürlich auch, doch häufig brodelt es gefühlsmäßig eher unter der Oberfläche.
Was fasziniert ist auch die Unmittelbarkeit des Sports: Hier sieht man - abgesehen vom Foto-Finish - sofort, welcher Sprinter am schnellsten war, wer am weitesten gesprungen ist oder welche Nation das bessere Team stellte. Diese Erfahrung fehlt vielen Führungskräften im Berufsleben häufig. Erfolg oder Misserfolg sind hier deutlich weniger offensichtlich und vor allem selten zeitnah zu erleben.
Sport verändert - auch beim Zusehen
Kortmann, der mehrere Jahre als Bundestrainer die Volleyballherren trainierte und heute das Beachvolleyball-Duo Sara Goller und Laura Ludwig coacht, animiert deshalb Führungskräfte, auf jeden Fall Sport zu machen - auch mit den Kollegen. "Das hilft nicht nur, körperlich fit zu bleiben. Der Sport verändert die Führungskräfte. Sie lernen, ihre Gefühle auszuleben, was sie im Team deutlich menschlicher macht", ist zum Beispiel seine Erfahrung aus einem Projekt bei der Deutschen Bahn.
Gleichzeitig sehen Führungskräfte, wie wichtig es ist, Leistung abzurufen, wenn man sie braucht - nicht, wenn es sich zufällig ergibt. Sie erfahren, was es bringt, in sich hinein zu horchen, Gedanken und Körper zu erfühlen. Die Themen Entspannung und Work-Life-Balance rücken dadurch vermehrt in das Blickfeld von Managern. Zudem erkennen sie an sich selbst Stärken und Schwächen, so Kortmann.
Störende Gedanken ausmerzen
Sport für Manager - keine schlechte Idee. Drill muss allerdings nicht sein.
Für den beruflichen Alltag hilfreich ist auch, dass Manager lernen, störende Gedanken auszuschalten und Stress abzubauen. "Zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Gedanken zu haben, das zählt", sagt Kortmann und verweist auf den Fußballer vor dem entscheidenden Elfmeter. Wer in solchen Momenten an die Konsequenzen denke, setze sich enorm unter Druck und erzeuge hohen Stress. Erfolgreicher könne der Schütze dagegen sein, wenn er sich auf die Schwächen des Torhüters, die eigene Technikstärke besinne und sich ganz auf den Schuss konzentriere.
"Nicht in der Zukunft oder der Vergangenheit denken - 'hätte ich doch gestern...' oder 'wie geht es danach weiter ' - sondern den Fokus auf den Augenblick legen, damit eine Sache gut wird", transferiert der Coach dieses Element ins Berufsleben. "Und das kann man trainieren."
Ressourcen heben für den nächsten Sieg
Personalcoach in Hamburg: Olaf Kortmann
Auch nach einer Niederlage versucht Kortmann, nicht allzu lange darüber zu sprechen. "Sich unendlich zu zerfleischen, bringt nichts. Das lenkt nur ab", weiß er aus dem Umgang mit seinen Sportlerinnen. Viel wichtiger sei es, Denkgewohnheiten auf den Kopf zu stellen, Fehler auszumachen und herauszufinden, was man daraus lernen könne - und wie das beim nächsten Mal umzusetzen sei.
Die weitverbreiteten Klagen über die widrigen Umstände lässt der Personalberater nicht zu. Schuld am verlorenen Spiel sei meist nicht das kühle Wetter, der schlecht sitzende Schuh, die mangelnde Unterstützung der Fans oder der ungerechte Schiedsrichter. "Klar muss sein: Die Umstände kann ich nicht kontrollieren, aber meine Vorbereitung, mein Spiel, meine Konzentration - all das kann ich beeinflussen." Es gelte, statt Gründen für das eigene Scheitern zu suchen, die Ressourcen zu heben, die beim nächsten Mal vielleicht zum Sieg führen - im Sport wie im Job.
Teil 2: Motivation und Team stärken - lesen Sie weiter.
-
FTD.de, 30.07.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden