Chefs finden, in ihrer Firma werde die Unternehmenskultur gut umgesetzt. Das sehen ihre Angestellten oft ganz anders: Wenn niemand hinguckt, schert sich kaum jemand um Benimmregeln. von Wiebke Harms
Henne oder Ei? Ist die Unternehmenskultur an sich unwichtig? Oder ist sie unwichtig, weil sie zwar behauptet, nicht aber umgesetzt wird? Diese Frage kann auch die Unternehmensberatung Kienbaum nicht klären, die 166 Top-, Mittel- und Personalmanager zu Rolle und Bedeutung der Unternehmenskultur befragt hat.
Je nach Position schätzen die Manager diese Bedeutung sehr unterschiedlich ein: Von den Chefs attestieren ihr 80 Prozent eine hohe Bedeutung, aus dem mittleren Management 64 Prozent und von Personalverantwortlichen nur die Hälfte. Das ist die Theorie, doch in der Praxis sieht es noch bescheidener aus: Zwar glauben noch 59 Prozent der Befragten aus dem Topmanagement, die Unternehmenskultur werde gut oder sehr gut gelebt.
Von den Mittelmanagern und Personalverantwortlichen zeigen sich dagegen nur 34 Prozent überzeugt. Die Autoren der Kienbaum-Studie vermuten daher, dass unterhalb der Teppichetagen das wahre und ungefilterte Leben tobt - und das sieht häufig genug anders aus, als die obersten Chefs glauben. Die erliegen allzu willig der Illusion, dass die von ihnen postulierte Kultur wirklich umgesetzt wird.
Doch Wünschen hilft nicht: Nur wenn Chefs die proklamierte Unternehmenskultur täglich vorleben, kommt in der Belegschaft an, wie ernst sie zu nehmen ist. Erst dann wird sie tatsächlich akzeptiert - womit sich dann auch die ewige Frage nach der Henne und dem Ei erledigt hätte.
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