Die drei Samwer-Brüder werden es wieder tun. Alexander, Oliver und Marc, 30, 32 und 34 Jahre alt, gehören zu dem Typ Unternehmer, den man in den USA "serial entrepreneur" (Serienunternehmer) nennt. Glaubt man den Legenden, haben die drei Söhne eines Kölner Juristenpaares schon als Jugendliche von der gemeinsamen Firma geträumt - und ihren Traum bereits zweimal verwirklicht. 1999 gründeten sie Alando, den Vorläufer von
Ebay Deutschland, ein Jahr später Jamba, einen Vermarkter von Klingeltönen, Spielen, Bildschirmschonern und anderem digitalen Tand für Mobiltelefone.
"Es mag ein bisschen komisch klingen, aber es ist eine Art Ritterlichkeit, die die drei sehr prägt in ihrem Verhältnis untereinander. Einer steht für den anderen ein, sie übernehmen auch Verantwortung füreinander", sagt Karel Dörner, der beide Male als Manager dabei war und mittlerweile seine eigene Firma hat. Zu dritt erreichen die Samwers eine Schlagkraft, die ohne die Familienbande nicht zu erklären ist. "Sie sind sehr talentiert, jeder würde auch auf sich allein gestellt Erfolg haben", sagt Scott Collins, ehemals Aufsichtsrat bei Jamba: "Gemeinsam haben sie eine unglaubliche Kraft, sie sind wissbegierig und ständig darauf bedacht, besser zu werden."
Collins hat selbst drei Söhne und fragt sich in stillen Stunden manchmal, was für eine Art Eltern es braucht, um ein solches Gespann wie die Samwer-Brüder großzuziehen. Er hat keine Erklärung. Die Brüder selbst haben nach Auskunft eines Sprechers keine Lust, Fragen danach zu beantworten. Auch per E-Mail nicht.
Collins' Lob für die Brüder hat auch einen geschäftlichen Grund: Der Amerikaner ist Partner bei Summit, einer Risikokapitalgesellschaft, die ihre Investition in Jamba binnen neun Monaten mehr als verdreifacht hat. Der Coup gelang im Mai 2004: Verisign, ein unter Insidern bekannter Lieferant für Internetdienstleistungen, stieg für 273 Mio. $ ein, die Samwers bekamen 35 Mio $.
Schon der zweite Millionencoup
Für die noch recht jungen Unternehmer war dies bereits der zweite Millionencoup: Im Jahr 2000 hatten sie ihre Auktionswebsite Alando wenige Monate nach der Gründung an den US-Konzern Ebay verkauft. Ebay erhielt dafür ein munteres, aber chaotisches Start-up, wie sich Beteiligte erinnern.
Bei Verisign waren es allerdings nicht nur Gründer-, sondern auch Managerqualitäten, die den Brüdern zum Erfolg verholfen haben. Marc und sein jüngerer Bruder Oliver wurden bei dem Deal mit dem US-Unternehmen gleich mit eingekauft. Sie sollen das Jamba-Geschäft in die USA tragen. Alexander, der jüngste, geht derzeit eigene Wege: In Harvard macht er seinen MBA und nimmt nebenbei Gesangsunterricht.
Jüngstes Beispiel für den Erfolg der Samwers ist "Crazy Frog", eine von zwei jungen Schweden zusammengebastelte digitale Blödelhymne, die bereits seit Jahren im Netz kursiert. Die Brüder machten daraus einen Riesenhit: Jamba sicherte sich die Rechte, produzierte Klingeltöne und CDs und schaltete Zehntausende von Werbespots. Der nervige Frosch brachte es auf Platz eins der britischen Charts. Seit kurzem versucht Jamba, den Erfolg in den USA zu wiederholen.
Das kann man bescheuert finden, eine unternehmerische Leistung ist es allemal. Allerdings eine, die Verbraucherschützer beschäftigt. Deren Vorwurf: Die Jugendlichen glauben, einen Klingelton zu kaufen, in Wahrheit erstehen sie aber ein Klingelton-Abo. Die wahren Kosten der intensiv beworbenen Produkte von Jamba seien für Jugendliche nicht zu durchschauen und für Eltern nicht zu kontrollieren. Derlei Kritik prallt an den Samwers ab: "Mir ist lieber, die Kinder geben ihr Taschengeld für zwei, drei Klingeltöne im Monat aus, als wenn sie davon Drogen kaufen", sagte Marc Samwer kürzlich auf einer Veranstaltung über den "digitalen Lebensstil".