Seit 2005 scheint der Rückgang der Markenorientierung gestoppt, dennoch bleibt Kundenbindung schwierig
Reflexartige Preissenkungen vermeiden
Diese eher zurückhaltend pessimistische Einschätzung mögen einige als typisch deutsch und damit als überbewertet einordnen. Sie zu kennen und zu akzeptieren, kann aber für die Entwicklung einer krisenfesteren Markenstrategie sehr hilfreich sein. So wäre es für viele Marken falsch, auf die Krise mit reflexartigen Preissenkungen zu reagieren, ohne glaubwürdig zu machen, warum diese gerade jetzt für eine Marke oder Branche möglich sind. Bei einer andauernden Krise müssten die Preise langfristig niedrig gehalten werden. Dieses würde aber zum einen die finanzielle Basis eines Markenherstellers belasten und zum anderen zu einer langfristig niedrigeren Preiserwartung bei den Konsumenten führen.
Preiserhöhungen werden nach der Krise sehr viel schwerer durchsetzbar, Innovationen und das Qualitätsniveau schwer zu finanzieren und Marketingausgaben nur auf reduziertem Niveau möglich sein. Das würde bedeuten, dass sich die befürchtete Abwärtsbewegung einer Marke auch nach der Krise fortsetzt und man nicht gestärkt, sondern deutlich geschwächt aus ihr hervorgeht. Es wäre fatal, in der Krise nicht bereits an die Zeit nach der Krise zu denken und Marken durch eine verfehlte Preispolitik langfristige Chancen zu verbauen.
Qualität weiter halten
Die Studie zeigt, dass Preissenkungen nur für Marken aus dem Niedrigpreissegment glaubwürdig sind. Nur bei ihnen führen Senkungen zu einer höheren Bindung an die Marke. Premium- und Mainstream-Marken erhalten erhöhten Zuspruch eher aus der Zuversicht des Konsumenten, dass sie ihre Qualität auch in schlechten Zeiten halten. Hersteller von Premium- und Mainstream-Marken könnten hiernach das Preisniveau nur dann glaubwürdig senken, wenn sie eine günstige Variante ihrer Marke neu einführen und sich damit sichtbar auf die neue Realität einstellen.
Für eine Mainstream-Marke könnte die Neueinführung Ausdruck ihrer Modernität sein, die als Treiber der Markenbindung von besonderer Bedeutung ist. Premium-Marken müssen bei dieser Strategie sehr darauf achten, dass sie nicht ihren Führungsanspruch und das Konsumentenvertrauen verlieren. Risiken also, die bei einer beabsichtigten Preissenkung nicht zu unterschätzen sind.