Idee aus Skandinavien
Dass er einen Wachstumsmarkt entdeckt hat, davon ist er im Jahr 2004 fest überzeugt. Er arbeitet damals bei der Klausner-Gruppe, dem Holzindustriebetrieb seines Schwagers. Leibold leitet in Wismar ein Sägewerk mit 400 Mitarbeitern, das er in den Jahren zuvor selbst aufgebaut hat. Um Holzstämme einzukaufen, ist er oft in Skandinavien. Bei seinen Reisen fällt ihm auf, dass in Schweden und Dänemark immer mehr regionale Kraftwerke mit Holzpellets befeuert werden.
Schnell entflammt Peter Leibold für die dünnen Stäbchen: Der Rohstoff für die Pellet-Produktion fällt schließlich in einem Sägewerk automatisch in großen Mengen an. Ein gutes Drittel des zersägten Holzes endet als Hackschnitzel oder Sägespäne. Gemahlen und getrocknet lässt sich dieser Holzabfall ohne Zusatz von Chemie zu ökologisch korrektem und gleichzeitig preiswertem Brennmaterial verarbeiten.
Da macht es bei Leibold klick: Energiekosten sparen und zusätzlich die Umwelt schonen? Das sind zwei schlagkräftige Verkaufsargumente. Er will nicht lange fackeln. Sein Plan: ein Pellet-Werk in Wismar bauen - ein naheliegendes Zusatzgeschäft auch für seinen Schwager und Firmeninhaber Fritz Klausner. Doch der winkt ab. Er hält die Pellet-Produktion für eine Schnapsidee.
Nicht offensichtlich, aber lukrativ
Hier hätte die Geschichte auch schon wieder zu Ende sein können: Klausner, der Profi, ein in der Holzindustrie aufgewachsener Unternehmersohn, verwirft kurzerhand den Vorschlag seines Schwagers. Kein Wunder: Leibold ist ein Beamtensohn, ein Branchenfremder, ein gelernter Industriekaufmann, Karriere im Verlagswesen, 48 Jahre alt und sechsfacher Vater. Ist es nicht völlig verrückt, wenn sich so einer mit einer Geschäftsidee selbstständig machen will, an der sich der branchenkundige Schwager lieber nicht die Finger verbrennt?
"Wenn eine Marktgelegenheit offensichtlich wäre, gäbe es keine Aussicht auf unternehmerische Pioniergewinne", sagt Christine Volkmann, die an der Bergischen Universität Wuppertal Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung lehrt. So sieht das auch Peter Leibold.