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Merken   Drucken   18.06.2009, 11:00 Schriftgröße: AAA

MBA in Deutschland: "Let's speak German"

Etliche deutsche Business-Schulen haben Englisch als Unterrichtssprache abgeschafft und bieten ihre Programme auf Deutsch an. Das hat viele Vorteile - aber auch einige Nachteile. von Yvonne Küster
High Potentials (Nachwuchstalente), Leadership (Führung), Upper Echelon (Führungsetage) - die Sprache der Wirtschaft ist Englisch. Das gilt für Verhandlungen, Diskussionen und Vorträge. Lange Zeit war es auch die einzige Unterrichtssprache der MBA-Programme. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Immer häufiger bieten deutsche Business-Schulen ihre MBA-Programme auf deutsch an.
Dazu zählen beispielsweise die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die Gisma-Business Schule in Hannover, die Nürnberger Friedrich-Alexander-Universität oder die Schweizer Universität St. Gallen. Auch an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wird seit nunmehr acht Jahren im MBA-Unterricht hauptsächlich Deutsch gesprochen.
Die Vorteile lägen auf der Hand, sagt Joachim Büschken, Leiter der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Komplizierte Sachverhalte wie beispielsweise eine Unternehmensverfassung oder das europäische Bilanzrecht ließen sich einfacher und vor allem effizienter vermitteln. Das gelte auch für spezielle Fachbegriffe im Wirtschafts- und Arbeitsrecht, sagt der Professor.
"Wird der Unterricht auf Englisch gehalten, geht zu viel verloren"
"Wird der Unterricht auf Englisch gehalten, geht zu viel verloren", bestätigt Oliver Kohmann, Geschäftsführer der Managementausbildung an der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. "Natürlich setzen wir Englischkenntnisse voraus, schließlich sind ja auch einige Fallstudien in englischer Sprache gehalten, aber dass der Unterricht in der Fremdsprache erfolgt, ist eher die Ausnahme."
Der Grund: Nicht nur Diskussionen über bestimmte Fachthemen, sondern auch über Führungsstile und Fragen der Unternehmenskommunikation seien auf Deutsch in der Regel tiefgründiger und würden sich fachlich eher mal zu einer angeregten Diskussion "hochschaukeln".
Günther Schuh, Wirtschaftsprofessor an der RWTH Aachen, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er ist der Meinung, dass deutschsprachige MBA-Programme den Lernprozess insgesamt beschleunigen. Deutsche Universitäten, die englischsprachigen Unterricht anbieten, hätten immer eine angelsächsische Partneruniversität an ihrer Seite, um die Qualität zu sichern.
Im MBA Studium sollen keine Fremdsprachenkenntnisse vertiefen werden
Solche Modelle sind für ihn daher nur Notlösungen. Schließlich ist ein MBA-Studium nicht dafür da, Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen, sagt Schuh. "Das wäre das teuerste Englischtraining, das es gibt."
Deshalb wird an der RWTH Aachen seit 2004 in den MBA-Programmen auf Deutsch unterrichtet. Gelegentlich würden zwar auch Dozenten auf Englisch referieren - wenn beispielsweise eine chinesische Lehrbeauftragte, eine Vorlesung über den asiatischen Markt hält. Das komme aber nur dann vor, wenn es wirklich keinen adäquaten deutschsprachigen Referenten gibt.
"Die eigentliche Aufgabe eines MBA-Programmes ist die Vermittlung von Managementwissen" -heißt es auf der Webseite der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg. Daher sei die Unterrichtssprache des MBA-Programms bewusst Deutsch.

Seite 2: Durch den deutschen Unterricht schließt man einen Teil der Kandidaten aus"

  • FTD.de, 18.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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