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Merken   Drucken   03.11.2010, 17:13 Schriftgröße: AAA

Mediale Falschdarstellung: Mythos Managementfehler

Kommentar Läuft in einem Unternehmen etwas schief, heißt es schnell: Die Manager haben versagt. Doch so einfach ist es nicht. von Thomas Ehrmann und Brinja Meiseberg
Thomas Ehrmann ist Professor am Institut für Strategisches Management der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Brinja Meiseberg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Strategisches Management der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Managementfehler sind ein stehender Begriff in Politik und Medien. Jeder Nichtmanager glaubt, um sich herum Managementfehler zu entdecken. So meinen die deutschen Insolvenzverwalter, dass Managementfehler die Hauptursache für den Zusammenbruch eines Unternehmens seien. Ein Opel-Gewerkschafter verweist darauf, dass "zuhauf Managementfehler gemacht worden sind, die teilweise gegen den Widerstand des deutschen Managements durchgedrückt wurden". Und die Bundeskanzlerin stellt infrage, ob Leute, die "auf ganzer Linie versagt haben", noch Boni erhalten dürfen. Solche Aussagen sprechen das Herz an und schüren die Wut auf Leute, die etwas falsch gemacht haben sollen, aber dafür noch "abkassieren". Worin diese Fehler bestehen, wird in den Managementfehler-Tiraden allerdings nicht gesagt.
Läuft in einem Unternehmen etwas schief, heißt es schnell: Die ...   Läuft in einem Unternehmen etwas schief, heißt es schnell: Die Manager haben versagt
Das implizite Modell hinter der Bezeichnung "Managementfehler" ist die "Profession". Am Beispiel des Ärzteberufs lässt sie sich kurz klären. Sie setzt voraus, dass durch formale Ausbildung und praktische Erfahrungen ein komplexes Wissen und praktische Fertigkeiten erworben wurden. Die organisierten Professionen werden von eigenen berufsständischen Organisationen zusammengehalten und überwacht. Dauernde Weiterbildung ist ihnen mehr oder weniger zwangsweise angeordnet. Nun lässt sich am Ärzteberuf (zur Not kann man den Beruf des Fußballspielers noch dazunehmen) Fehlverhalten relativ leicht definieren, gerade wenn es um Chirurgen oder Zahnärzte geht. Was immer bei einer Operation nach den vordefinierten Regeln des "State of the Art" falsch gelaufen ist, das war nicht sehr professionell.
Manager sind keine Chirurgen
Natürlich kann hier nicht beantwortet werden, wie denn die vielleicht fehlschlagenden Operationen zu bewerten sind, die den Wissensstand erweitern, für die es mithin noch gar keine qualifizierten Prozeduren gibt. Es ist aber ziemlich klar, dass Manager alles Mögliche machen, nur nicht operieren. Sie haben auch keinen Tagesablauf, der mit dem eines Chirurgen vergleichbar wäre.
Was machen Manager wirklich? In einem wunderbaren Artikel für die "Harvard Business Review" hat John Kotter vor einigen Jahren Folgendes herausgefunden:
Manager verbringen die meiste Zeit mit anderen. Die Breite der angesprochenen Themen in ihren Diskussionen ist extrem groß. Sie stellen viele Fragen. Sie treffen auch während Unterhaltungen wenig "große" Entscheidungen, sie geben im traditionellen Sinn wenig direkte Anweisungen, sie reagieren auf Initiativen anderer, wobei ihr Tagesablauf relativ ungeplant ist. Und sie verbringen die meiste Zeit mit anderen in kurzen Diskussionen, die relativ selten über ein Thema gehen, das länger als zehn Minuten behandelt wird.
Nimmt man diese "Innensicht" und vergleicht sie mit der Außensicht "Profession", dann wird klar, dass ein Normverhalten, an dem Managementfehler gemessen werden könnten, das Falsche ist. Weder ist beobachtbar, was Manager wirklich machen, noch kann deshalb eine Anforderung an richtiges oder falsches Managementverhalten von außerhalb des Unternehmens definiert werden, auf die sich dann die Bestimmung von fehlerhaftem oder richtigem Verhalten stützen könnte.

Teil 2

  • FTD.de, 03.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 04.11.2010 19:53:17 Uhr   Peter Lyssy: Halbgötter in Nadelstreifen ?

    Der Vorredner hat mit dem Ausdruck " Herrschaftsreligion " vollkommen recht. Eine Religion benötigt aber auch Götter, mindestens Halbgötter. Welches ist deren Vorrecht ? Götter benötigen keine Parameter und leben im rechtsfreien Raum. Laßt uns zu den gewöhnlichen Sterblichen zurückkehren, als da z. B. sind Rechtsanwalt ( ist dem Gesetz verpflichtet ), Bergführer ( muß sich an der Kondition des Kunden, dem Wetter etc. orientieren ) , Zimmermeister ( muß wohl Statik berechnen können ). Nur für Manager soll dies nicht gelten ?
    Der Artikel enthält den Satz :" Das Management ist rechenschaftspflichtig, selbst wenn es unmöglich ist, die gesteckten Ziele zu erreichen. " Hier muß ich nun wirklich den Gesetzestext zitieren, wobei ich voraussetze, daß wir uns im deutschen Recht befinden. § 611, Abs.1 BGB : Durch den Dienstvertrag wird derjenige, welcher Dienste zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet. § 275, Abs. 1 BGB : Der anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist.
    Der " jedermann " wäre wohl eine Frage der Beweislast.
    Übrigens neide ich keinem Manager seine Boni, Abfindungen etc. Auf einem Stuhl kann nur einer sitzen und von einem Teller nur einer essen.(altes Sprichwort ) .

  • 04.11.2010 17:51:57 Uhr   Torsten: Verquere Argumentation
  • 04.11.2010 16:18:50 Uhr   Jaded10: Managementfehler
  • 04.11.2010 12:19:44 Uhr   Plebold: Managementfehler
  • 04.11.2010 10:07:28 Uhr   S.Cho: Managementfehler sind nicht Verhaltensfehler
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