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19.07.2010, 13:09
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Mediennutzung in Deutschland:
Welchen Einfluss Smartphones haben
Neue Medien - allen voran das mobile Internet - verdrängen die "guten alten" Medien wie Radio, TV oder und vor allem Print. Oder doch nicht? Was Unternehmen aus dem veränderten Medienverhalten ablesen können.
von Gabriele Herrmann (TNS Infratest)
Verdrängen die neuen Medien die "alten" tatsächlich? - Ja und nein, könnte hier die Antwort sein. Denn ja, es stimmt, dass viele Personen in Deutschland zukünftig ihr Medienbudget stärker auf die elektronischen Medien verlegen werden. In einer repräsentativen telefonischen Befragung bei 18- bis 59-Jährigen hat TNS Infratest gemeinsam mit Google Deutschland, der Otto Group sowie dem Trendbüro die derzeitige Mediennutzung der Deutschen ermittelt und eine Einschätzung erfragt, wie diese in zwei bis drei Jahren voraussichtlich aussehen wird.
Eine wichtige Erkenntnis hat die Studie bei der ermittelten und prognostizierten Anzahl der Intensivnutzer ans Tageslicht gebracht: Der Anteil der Intensivnutzer, die das jeweilige Medium an sechs bis sieben Tagen pro Woche nutzen, wird über fast alle Medien hinweg entweder steigen oder konstant bleiben. Salopp gesprochen können also auf allen Medienkanälen mehr Intensivnutzer erwartet werden.
Mediennutzung steigt - insbesondere durch das Internet
Schiebt die mobile Mediennutzung an: Apple mit seinem iPad und dem iPhone
Insbesondere die Nutzung des Internets, stationär oder mobil, wird nach Einschätzung der User deutlich zunehmen. Der Anteil der Intensivnutzer beim mobilen Internet wird um über 80 Prozent von sechs Prozent auf elf Prozent steigen. Das stationäre Internet wird ca. 40 Prozent mehr Intensivnutzer erhalten und steigt von 46 Prozent auf 64 Prozent. Dies belegt beeindruckend die hohe und weiterhin steigende Bedeutung des Internets im Leben der Nutzer. Derzeit nutzen bereits 78 Prozent der 18 bis 59-Jährigen Deutschen das Internet zu privaten Zwecken, 46 Prozent davon intensiv, also fast täglich. Das mobile Internet steht dagegen in erwartungsvollen Startlöchern: Mit derzeit elf Prozent Nutzeranteil in der Bevölkerung, davon sechs Prozent intensiv, steht es am Anfang. Die Wachstumsraten belegen jedoch dessen perspektivische Bedeutung.
TV wird seinen ohnehin sehr hohen Anteil an Intensivnutzern (63 Prozent täglich/fast täglich) noch leicht erhöhen. Was bedeutet das? Der Tag hat schließlich nicht mehr Stunden! Wird es dann überhaupt keine Radionutzer oder Leser von Printangeboten geben? Nein! Beide Mediengattungen werden künftig weiter mit einem konstanten Anteil an Intensiv-Nutzern weiterhin eine Rolle spielen.
Insgesamt wird also die absolute Mediennutzung pro Woche um ca. eine Stunde zunehmen - dieses Ergebnis wurde im Rahmen der Studie modelliert.
Parallelnutzung und "on the go"
Schon für Radio und Printmedien - bisher weniger für TV - war die Nutzung unterwegs üblich. Auch die parallele Nutzung von verschiedenen Medien hatte in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Jetzt zieht auch das Internet nach. Somit ist der prognostizierte steigende Medienkonsum im Wesentlichen durch zwei Phänomene zu erklären: eine steigende parallele Nutzung verschiedener Medien sowie die mobile Internetnutzung "on the go".
'The more, the more' ist ein Credo der Medien und heißt: Je mehr man derzeitige Medien nutzt, desto mehr wird man zukünftige, neue Angebote nutzen. Medien werden zunehmend selbstverständlich und nebenbei in unser Leben integriert. Medien konvergieren, sie entwickeln sich weiter, bilden neue Formate und sind dank neuer Technologieentwicklungen inzwischen fast immer und überall nutzbar. Die Nutzer allerdings nutzen nach wie vor im Grunde einfach Content - sie können inzwischen lediglich besser wählen und zunehmend selber bestimmen, welches Angebot wie bzw. auf welchem Gerät wann genutzt wird.
Verständnis von situativer Mediennutzung ist ein wichtiger Schlüssel
Wer Personengruppen über Medien auch zukünftig erreichen will, der wird sich mit diesem Phänomen auseinander setzen müssen: der zunehmenden Vernetzung von Angeboten aus denen der Nutzer sich das für seine aktuelle Situation und seinen entsprechenden Informationsbedarf Passendste wählen kann. Wichtig ist somit ein tiefgehendes Verständnis für das Verhalten von unterschiedlichen Mediennutzern in bestimmten Situationen zu erhalten. Das Internet - sei es stationär oder mobil genutzt - spielt hierbei eine zentrale Rolle, insbesondere: Das Verständnis für die Nutzung des Internets - für Präferenzen, für Barrieren und Chancen für die verschiedenen Nutzungssituationen und Zugangswege.
Teil 2: Warum die Unterscheidung in mobiles oder stationäres Internet wenig Sinn macht.
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FTD.de, 19.07.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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