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Merken   Drucken   25.07.2008, 15:22 Schriftgröße: AAA

Merkel-Vertraute: Müller wird Energielobbyistin

Die Kanzlerin hat um sie gekämpft und verloren: Die bisherige Staatsministerin Hildegard Müller geht zum neuen Bundesverband Energie und Wasserwirtschaft. Die Unternehmen brauchen dringend eine bessere Lobbyarbeit in Berlin. von Timm Krägenow (Berlin)
Die 41-Jährige wird nach eigenen Angaben Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW. "Ich habe mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, diese Berufung anzunehmen und diese Funktion zum 1. Oktober 2008 zu übernehmen", teilte Müller mit. Mit der Übernahme des neuen Postens werde sie ihr Amt als Staatsministerin und ihr Abgeordnetenmandat niederlegen. Auch für das CDU-Präsidium will sie nicht wieder kandidieren.
Merkel verliert mit Müller eine enge Vertraute im Kanzleramt. Die Staatsministerin ist zuständig für den Bürokratieabbau und die Bund-Länder-Kooperation. Die Kanzlerin soll versucht haben, Müller in ihrem engsten Zirkel zu halten. Bei der Entscheidung könnten private Motive eine wichtige Rolle gespielt haben: Müllers Ehemann lebt in Heidelberg, während die Politikerin mit der gemeinsamen Tochter in Berlin lebt. Außerdem muss sich die Abgeordnete Müller noch um ihren Wahlkreis in Düsseldorf kümmern. Mit der Übernahme des neuen Postens fällt diese Station nun weg.
Hildegar Müller: Energieverband statt Kanzleramt   Hildegar Müller: Energieverband statt Kanzleramt
Auf Müller wartet eine anspruchsvolle Aufgabe: Die Beziehungen zwischen den etablierten Stromversorgern und dem Kanzleramt sind eher frostig. Als die Konzernchefs im Sommer 2007 Generalkritik an den Klimaschutzzielen der Bundeskanzlerin übten, zeigte ihnen die Regierungschefin die kalte Schulter. Es gehe nicht mehr um die Diskussion der Ziele, eröffnete Merkel ein Spitzentreffen mit den Chefs der deutschen Wirtschaft, sondern nur noch um die Frage, wie diese Ziele erreicht werden sollten.
Der Zugang zum Regierungschef ist unter Kanzlerin Merkel für die großen Unternehmen schwieriger geworden als zu Zeiten des sozialdemokratischen Kanzlers Gerhard Schröder. Unter anderem mit einer umstrittenen Ministererlaubnis für die Übernahme von Ruhrgas durch Eon  hatte Schröder den Konzernchefs auch größere Wünsche schnell erfüllt.
Konzerne hoffen auf Zugang zum Kanzleramt
Merkel hinterfragt dagegen die Behauptungen der Strommanager kritisch. Aufgrund der steigenden Energiepreise und der Klimaziele setzt sie sich für eine schnelle Modernisierung der Kraftwerke und des Leitungsnetzes ein. In erster Linie geht es ihr dabei um Einsparungen. Dafür hatte sie bisher von der Branche nicht immer die volle Unterstützung. Vor allem die Energiebranche stand bei vielen wichtigen Diskussionen eher als Bremser da. "Wir haben da sicher Nachholbedarf", heißt es in den Unternehmen.
Als der frühere Deutschland-Chef der Beratungsfirma McKinsey, Jürgen Kluge, als Chef des Stromverbands im Gespräch war, hieß es in Berlin, das Kanzleramt habe sich eine bessere Vertretung der Branche gewünscht. Hildegard Müller eröffnet den Stromkonzernen nun eine größere Chance, in der Regierungszentrale gehört zu werden.
  • FTD.de, 25.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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