Hildegar Müller: Energieverband statt Kanzleramt
Auf Müller wartet eine anspruchsvolle Aufgabe: Die Beziehungen zwischen den etablierten Stromversorgern und dem Kanzleramt sind eher frostig. Als die Konzernchefs im Sommer 2007 Generalkritik an den Klimaschutzzielen der Bundeskanzlerin übten, zeigte ihnen die Regierungschefin die kalte Schulter. Es gehe nicht mehr um die Diskussion der Ziele, eröffnete Merkel ein Spitzentreffen mit den Chefs der deutschen Wirtschaft, sondern nur noch um die Frage, wie diese Ziele erreicht werden sollten.
Der Zugang zum Regierungschef ist unter Kanzlerin Merkel für die großen Unternehmen schwieriger geworden als zu Zeiten des sozialdemokratischen Kanzlers Gerhard Schröder. Unter anderem mit einer umstrittenen Ministererlaubnis für die Übernahme von Ruhrgas durch
Eon hatte Schröder den Konzernchefs auch größere Wünsche schnell erfüllt.
Konzerne hoffen auf Zugang zum Kanzleramt
Merkel hinterfragt dagegen die Behauptungen der Strommanager kritisch. Aufgrund der steigenden Energiepreise und der Klimaziele setzt sie sich für eine schnelle Modernisierung der Kraftwerke und des Leitungsnetzes ein. In erster Linie geht es ihr dabei um Einsparungen. Dafür hatte sie bisher von der Branche nicht immer die volle Unterstützung. Vor allem die Energiebranche stand bei vielen wichtigen Diskussionen eher als Bremser da. "Wir haben da sicher Nachholbedarf", heißt es in den Unternehmen.
Als der frühere Deutschland-Chef der Beratungsfirma McKinsey, Jürgen Kluge, als Chef des Stromverbands im Gespräch war, hieß es in Berlin, das Kanzleramt habe sich eine bessere Vertretung der Branche gewünscht. Hildegard Müller eröffnet den Stromkonzernen nun eine größere Chance, in der Regierungszentrale gehört zu werden.