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Merken   Drucken   09.04.2010, 07:00 Schriftgröße: AAA

Mikrofinanzierung: Klein-Unternehmertum en gros

Mercedes Canalda de Beras-Goico steht vor dem klassischen Expansionsdilemma: Wie kann ein Unternehmen trotz rasanten Wachstums nah am Kunden bleiben? Ihre Kernkundschaft besteht überwiegend aus armen Kleinunternehmerinnen auf dem Land. von Alison Maitland
Canalda ist Chefin von Adopem, einem Mikrofinanzinstitut in der Dominikanischen Republik. Ihre 550 Angestellten versorgen 115.000 Kunden mit Kleinstkrediten über durchschnittlich 425 $. Diese Kunden kämpfen tagtäglich damit, über die Runden zu kommen, ihre Familien zu ernähren, vor Krankheiten zu bewahren und den Kindern ein Stück Bildung zuteil werden zu lassen.
Mit Kleinstkrediten zum Geschäft: Eine 20-Pesos-Note aus der ...   Mit Kleinstkrediten zum Geschäft: Eine 20-Pesos-Note aus der Dominikanischen Republik
Sozialer Wandel ist Adopems oberstes Ziel. "Wir müssen auf unsere Kunden direkt Einfluss nehmen, ihre Mentalität verändern, sie ermuntern, einen besseren Lebensstandard anzustreben und ihr Geld eher zu sparen, als alles auszugeben", sagt Canalda.
Die Managerin ist eine von 23 Führungskräften aus aller Welt, die im März bei einem Seminar an der amerikanischen Wharton-Universität über Status quo und Entwicklungsmöglichkeiten der Mikrofinanzbranche diskutiert haben.
Wie nutzt man Management-Kompetenzen?
Bei dem einwöchigen Workshop, der in Kooperation mit dem globalen Mikrofinanznetzwerk Women's World Banking (WWB) organisiert wurde, hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich über strategische Möglichkeiten, Szenarios, Personalentwicklung, Risikoentwicklung und persönliche Führungskompetenzen auszutauschen.
"Ich habe so viele Fragen gestellt, wie man eine bessere Führungskraft sein und andere stärken kann", sagt die 44-jährige Canalda, eine gelernte Volkswirtin, die vorher bei der Zentralbank der Dominikanischen Republik gearbeitet hatte.
Globaler, zukunftsorientierter
"Gute Kommunikation ist mit das Wichtigste. Als energiegeladene, leidenschaftliche Managerin muss man sich manchmal bemühen, den Menschen zuzuhören, statt selbst unentwegt zu reden. Außerdem habe ich ab und zu das Gefühl, dass ich mich zu sehr auf administrative Dinge konzentriere. Ich muss globaler und zukunftsorientierter denken", sagt Canalda.
Ihre Mutter gründete Adopem vor fast 30 Jahren als Non-Profit-Unternehmen. Seit das Mikrofinanzinstitut 2004 offiziell als Geschäftsbank anerkannt wurde, ist es stark gewachsen. Die Bank hat heute ein 50 Mio. $ schweres Kreditportfolio und kümmert sich um die Ersparnisse von 135.000 Menschen.
Langfristig und gleichzeitig sozial arbeiten
So eine innovative und engagierte Managerin wie Canalda brauchen Mikrofinanzinstitute, sagt WWB-Chefin Mary Ellen Iskenderian. Durch den Einstieg von kommerziellen und institutionellen Fonds sei der Mikrofinanzsektor professioneller geworden. Die Entwicklung gebe aber auch Anlass zu der Sorge, dass die Institute durch den verstärkten Gewinndruck von ihrem Ziel abkommen, den Armen zu helfen.
"Es reicht nicht, wenn Mikrofinanzmanager dieselben Führungskompetenzen haben wie die Kollegen in anderen Finanzinstituten", sagt Iskenderian. "Sie müssen langfristig ergebnisstarke Institute führen und gleichzeitig in der Lage sein, die soziale Mission aufrecht zu erhalten, mit der alles begann."
Iskenderian sagt, die Branche leide unter einem Mangel an qualifizierten Führungskräften, insbesondere Frauen, die Institute durch diese Zeit schnellen Wandels und Wachstums führen können. Deshalb hat das WWB ein Center for Microfinance Leadership gegründet, das unter anderem Führungskräfteschulungen für Frauen anbietet.

Teil 2: Worauf es Experten zufolge für Kleinkreditinstitute ankommt.

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