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Merken   Drucken   14.07.2011, 06:00 Schriftgröße: AAA

Mitarbeiterbindung: Finanzfachleute sind nicht treu

Der Aufschwung eröffnet Arbeitnehmern neue Karrierechancen, der Fachkräftemangel verstärkt diesen Trend. Vor allem in der Finanzindustrie ist einer Studie zufolge jeder Zweite schon auf dem Absprung. Ein Warnsignal für die Branche. von Sabine Meinert 
Fast die Hälfte aller deutschsprachigen Finanzfachleute, gut 45 Prozent, will sich noch in diesem Jahr einen neuen Job suchen. Nur jeder Fünfte ist bereit, weiter beim bisherigen Arbeitgeber zu bleiben. Der Rest ist unschlüssig und wartet ab. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Personaldienstleisters eFinancialCareers.de unter Finanzexperten. Fazit: Die Treue der Finanzfachleute zum eigenen Unternehmen lässt derzeit zu wünschen übrig. Der Grund: Der Mangel an gut ausgebildeten Fachleuten eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten als in den vergangenen Jahren.
Die Wechselwilligkeit unter Finanzfachleuten steigt drastisch   Die Wechselwilligkeit unter Finanzfachleuten steigt drastisch
Eine ähnliche Situation zeigt sich in England. Auch hier bereiten sich 52 Prozent der Finanzer darauf vor, bis zum Jahresende den Arbeitgeber zu wechseln. In der Londoner City wollen gar nur zwölf Prozent in ihrer derzeitigen Position bleiben. Spätestens nach der Bonus-Saison (diese startet, nachdem die Unternehmen Geschäftszahlen für das zurückliegende Jahr geliefert haben) fokussieren die Finanzspezialisten auf den nächsten Karriereschritt, zeigt die Umfrage.
Das europäische Ausland lockt
Auffällig: Vor allem die Deutschen zieht es ins Ausland - drei Viertel der wechselwilligen Finanzer wollen sich künftig außerhalb der deutschen Grenzen beweisen, am liebsten in Zürich oder London. Übersee-Ziele sind dagegen eher nicht so attraktiv. Die Mehrheit gab an, innerhalb Europas bleiben zu wollen. Lediglich drei Prozent würden in den Mittleren Osten, 13 Prozent nach Nordamerika und nur 18 Prozent in den Asien-Pazifik-Raum umziehen.
Die neue Situation auf dem Arbeitsmarkt für Finanzfachkräfte zeigt sich auch in verstärkter Aktivität von Headhuntern. Jeder zweite Befragte gab an, seit Jahresbeginn mehr Anrufe von Personalvermittlern als im zurückliegenden Jahr bekommen zu haben. Dennoch sind die meisten Spezialisten nicht überzeugt, dass die Suche nach einem neuen Job ein Selbstläufer wird. Mehr als die Hälfte der Wechselwilligen ist überzeugt, dass es hart oder sogar sehr hart wird, 2011 den neuen Wunschjob zu ergattern.
Wissen sichern, Kernkompetenzen erhalten
Für die Finanz-Unternehmen ist das keine komfortable Situation. Sie müssen nicht nur darum bangen, dass wichtige Mitarbeiter und eine Menge Wissen abwandern. Die Lücken zu füllen, wird in den nächsten Monaten angesichts des Fachkräftemangels schwer. Es gilt daher, mit Maßnahmen im eigenen Haus die Wechselwilligkeit einzudämmen. Wer sich wohl fühlt, wer im Unternehmen wertgeschätzt wird, den zieht es weniger oft zu neuen Ufern, so die Erfahrung. Flexible Arbeitszeitmodelle, Work-Life-Balance-Angebote, Gesundheits- und Altersvorsorge, Weiterbildungsprogramme, stärkere Motivation im Team - das alles kann helfen, die Mitarbeiterbindung auszubauen.
Die eFinancialCareers-Umfrage zeigt, dass die Arbeitgeber dies - zumindest teilweise - schon umsetzen: Mehr als ein Drittel der Finanzleute bestätigte, dass ihr Unternehmen bereits ein Angebot vorgelegt hat, damit sie 2011 nicht zu einem neuen Arbeitgeber wechseln: ein höheres Grundgehalt, ein höherer Bonus, anspruchsvollere Aufgaben. In England war nur jeder vierte Arbeitgeber bereit, seine Mitarbeiter mit attraktiven Angeboten zu locken.
Klar sollte den Chefs jedoch sein: Nur in etwa jedem fünften Fall kann ein solches Angebot noch die Meinung der Jobsucher ändern. Nur 21 Prozent der Finanzfachleute glaubt, dass ein Gegenangebot vom bisherigen Arbeitnehmer sie überzeugen könnte, doch nicht auf einen neuen Arbeitsplatz zu wechseln. Die überwältigende Mehrheit würde dem aktuellen Arbeitgeber keine zweite Chance geben.
Die Umfrage des Personaldienstleister eFinancialCareers.de fasst die Angaben von 255 deutschsprachigen und 444 englischsprachigen Finanzfachleuten zum Thema Jobwechsel zusammen.
  • FTD.de, 14.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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