Niels van Quaquebeke von der Kühne Logistics University in Hamburg
Die Studienautoren beleuchten mit den Unwerten ein Feld, das für die Wissenschaft bisher nicht im Fokus stand. Unwerte sind demnach nicht einfach das Gegenteil von Werten, sondern bilden eine zweite, unabhängige Dimension. Niels van Quaquebeke: "Beides, Werte und Unwerte beeinflussen die Beziehung der Mitarbeiter zu ihren Vorgesetzten. Einseitige Missionstatements mit reinen Idealvorstellungen und Leitbilder, die sich auf positive Werte beschränken, sind daher unvollständig. Unternehmen sollten auch sagen, wofür sie nicht stehen", sagt van Quaquebeke. Das Gleiche gelte für Führungskräfte.
Der Professor für Leadership und Organizational Behavior an der KLU führt als Beispiel den Suchmaschinenkonzern Google an. Dieser habe sich mit seinem Statement "Don't be evil!" klar positioniert. "Im Klartext sagt Google damit: Wir sind keine Gutmenschen, achten aber moralische Grundsätze. Für viele Mitarbeiter entspricht das eher der eigenen Weltanschauung als ein wolkiges Werte-Statement", sagte der Experte.
Was sind Werte, was Unwerte?
Wenig überraschend fand van Quaquebeke heraus, dass die Unwerte ebenso wie die Werte von Mensch zu Mensch verschieden sind. Weiter zeigt die Analyse, dass die Werte des einen für manch anderen eher Unwerte sind - Macht, Genuss, Tradition. Allerdings: Werte und Unwerte bedingen einander nicht. "Eine Orientierung zum Positiven ist nicht das gleiche wie eine Abgrenzung vom Negativen", sagte van Quaquebeke. " Sich zu wünschen, dass der Chef nicht gemein ist, ist nicht gleichzusetzen mit dem Wunsch, dass er sich fair verhält."