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Merken   Drucken   03.07.2007, 21:05 Schriftgröße: AAA

Mobilcom-Gründer Schmid muss vor Gericht

Gerhard Schmid, Gründer und Ex-Vorstandschef des Mobilfunkdienstleisters Mobilcom, muss sich vom 18. Juli an vor dem Landgericht Kiel wegen Bankrotts bei einem Bauprojekt verantworten. Im schlimmsten Fall drohen dem 55-Jährigen fünf Jahre Haft. von Volker Müller (Hamburg)
Damit holt den einstigen Börsenstar und Milliardär schon wieder seine Vergangenheit ein. Im aktuellen Fall soll er die Landesbank Sachsen geschädigt haben. Von ihr hatte sich Schmid im September 2000 etwas mehr als 102 Mio. Euro geliehen - für den Bau eines noblen Büro- und Wohnkomplexes in Kiel, der einst auch Firmensitz von Mobilcom werden sollte. Als Sicherheiten lieferte Schmid damals Aktien seines Unternehmens. Tatsächlich investierte Schmid nur einen kleinen Teil des Kredits in das Bauprojekt. Mit dem größten Teil finanzierte er Stützungskäufe für Aktien von Mobilcom und deren Internettochter Freenet. Das verzögerte den Absturz aber nur. Im März 2002 schließlich kündigte die Landesbank den Kredit, weil Schmid seinen Zahlungsverpflichtungen immer zögerlicher nachkam.
Gerhard Schmid trat 2002 von der Mobilcom-Spitze zurück   Gerhard Schmid trat 2002 von der Mobilcom-Spitze zurück
Das Geschäft traf die Bank schwer. Sie musste 35 Mio. Euro abschreiben - und aus dem Prestigebau an der Kieler Förde wurde eine Investitionsruine. Schmid wurde später verurteilt, einen Teilbetrag von etwa 10 Mio. Euro noch zurückzuzahlen. Allerdings verschob er, so die Staatsanwaltschaft, das Geld nach Liechtenstein, obwohl die Landesbank einen Pfändungsbeschluss erwirkt hatte. Dank Schmids Schachzug blieb die Zwangsvollstreckung der Sachsen erfolglos.
Gericht hat noch nicht entschieden
Schon zuvor hatte Schmid mehrfach den Blick der Justiz auf sich gelenkt. Insgesamt vier Ermittlungsverfahren liefen gegen ihn, zuletzt wegen des Verdachts der Untreue und des Bankrotts. Damit hatte der Staatsanwalt aber keinen Erfolg. Das Landgericht Kiel lehnte es Ende 2006 ab, ein Hauptverfahren zu eröffnen. Über die Beschwerde der Ankläger ist noch nicht entschieden.
Schmid hatte den Mobilfunkprovider 1991 gegründet - und später durch Fehlentscheidungen an den Abgrund geführt. Mithilfe der France Telecom wollte er den Service-Provider zum Netzbetreiber entwickeln. Den 8,4 Mrd. Euro teuren Kauf einer Funklizenz sowie den Aufbau des Netzes sollte der Großaktionär finanzieren. Mit ihm aber überwarf sich Schmid über das Tempo des Aufbaus. Schließlich musste er seinen Posten räumen.
Der Konflikt beschäftigt noch heute die Gerichte. Einzelne Aktionäre klagen gegen ausgebliebene Kapitaleinlagen von France Telecom oder mangelnde Informationen durch Vorstand und Aufsichtsrat.
Schmid selbst ist offiziell seit Februar 2003 mittellos. Damals reichte er die Privatinsolvenz ein. Ein Absturz in die Armut droht allerdings nicht. Seine vermögende Frau gewährleistet einen angemessenen Lebensstandard.
  • Aus der FTD vom 04.07.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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