David Montgomery, Vorsitzender der Mecom Group PLC
David Montgomery sitzt an einem langen dunklen Konferenztisch. Die letzten Obstteller stehen noch da, gebrauchte Wassergläser und Kaffeetassen. Vor der Tür baut ein Kamerateam seine Strahler ab und rollt die Kabel ein. Es war ein langer Tag - Tag drei, nachdem der kleine hagere Mann in blauem Anzug und blauer Krawatte angekündigt hat, mit einem Investorenkonsortium die "Berliner Zeitung" zu kaufen.
Immer und immer wieder hat er seitdem dieselben Antworten auf dieselben Fragen gegeben. "No, quality of ,Börlinner Seitung‘ will not be changed", "no, we don‘t have a slash and burn strategy". Höflich und leise spricht er, so leise, dass man sich nicht traut, lauter zu reden. Ab und zu huscht ein Lächeln über das schmale Gesicht, die dürren Finger nesteln an einem Bleistift herum. Ob es ihn nicht persönlich trifft, dass sie ihn hier als Heuschrecke beschimpfen, als geldgierigen Blutsauger? "Nein", sagt er, und die Mundwinkel fallen zurück. "Ich bin nicht der Mensch, der darauf reagiert. Ich konzentriere mich auf Resultate."
Einen rauen Ton ist Montgomery gewöhnt. Über wenige Zeitungsmanager - von Rupert Murdoch einmal abgesehen - hat die britische Presse so viel Häme und Verachtung ausgeschüttet wie über ihn. Bei der "Berliner Zeitung" haben sie seinen Namen erst einmal gegoogelt, als sich herumsprach, der gebürtige Ire sei mit seiner Londoner Investmentfirma Mecom im Anmarsch, mit weiteren Investoren im Schlepptau. Gefunden haben die Mitarbeiter wenig Beruhigendes. Ehemalige Redakteure der "Mirror"-Group, deren Chef Montgomery in den 90er Jahren war, rechnen dort mit seinem harten Sparkurs ab. "Rommel" haben sie ihn getauft - weil General Montgomery "ja auf unserer Seite stand", beim Sieg der britischen Armee gegen die Deutschen in Nordafrika. Geschasste Chefredakteure des linksliberalen "Independent", an dem sich die "Mirror"-Group unter Montgomery beteiligte, schimpfen, "außer Sparen, Sparen, Sparen konnte er nichts".
Egal, was andere über ihn denken
Unehrlich, knallhart, verbissen - das Urteil über Montgomery steht, noch bevor er da ist. Und er? Lässt es stehen. Dass er die aufgeregten deutschen Medien drei Tage lang im Regent Hotel am Berliner Gendarmenmarkt empfängt, im vierten Stock, wo blaue Teppiche und schwere Holzmöbel seine Stimme noch ein wenig mehr dämpfen, habe mit einer Charmeoffensive nichts zu tun, sagt er. Deutsch spricht er kaum. "Das hatte ich mal in der Schule. Es hätte sich gelohnt, besser aufzupassen." Was sie hier über ihn schreiben, weiß er gleichwohl. Ob es denn stimmt, was da so hervorgekramt wird? "Die Kritik an meiner Person wird von vielen verbreitet, die damit auch eigene Ziele verfolgen", sagt er nur. "David Montgomery ist es einfach egal, was andere über ihn denken. Er macht sein Ding", sagt einer seiner engsten Geschäftspartner.
Sein Ding, sagt der 55-Jährige selbst, war immer der Journalismus. "Zeitungen faszinieren mich, vor allem Massenzeitungen", sagt er leise. Zeitungen oder Journalismus? "Mir war früh klar, dass zu einer guten Zeitung mehr gehört als Journalismus." Während des Geschichts- und Politikstudiums in Belfast gibt er das Universitätsblatt heraus. Statt wie seine Kommilitonen Jeans und T-Shirt trägt Montgomery Anzug und Krawatte und schreibt als freier Mitarbeiter für den "Belfast News Letter", den er später einmal kaufen wird.