John Mackey, Whole-Foods-Gründer
Austin ist eine der zivilisiertesten Städte in Texas. Hier gibt es sogar Bürgersteige. Doch John Mackey sieht so aus, als hätte er sich durch unwegsames Gelände gemüht, um ins Büro zu kommen. Über den Teva-Wandersandalen trägt er Shorts und T-Shirt. Kraus stehen die Haare dem 51-Jährigen vom Kopf ab, widerspenstig sträubt sich der Schnauzbart. Darf so der Vorstandschef des erfolgreichsten Bio-Lebensmittelhandels der Welt aussehen?
John Mackey würde schon die Frage nicht verstehen. Geht doch niemanden etwas an, wie er aussieht. Unerheblich fürs Geschäft, und das läuft gut. Sein Unternehmen Whole Foods ist die am schnellsten wachsende Supermarktkette Amerikas: 163 Filialen mit 28.000 Mitarbeitern gibt es, der Umsatz wächst jährlich durchschnittlich um 20 Prozent. Das schaffte Mackey nicht allein durch Expansion: In jedem Whole-Foods-Laden stieg der Umsatz seit 1999 durchschnittlich um neun Prozent pro Jahr. Das ist einer der Gründe dafür, dass sich der Wert der Whole-Foods-Aktie seit dem Jahr 2000 verfünffacht hat.
Whole Foods’ Erfolg hat Amerika verändert
Whole Foods’ Erfolg hat Amerika verändert. Im Land von Fett und Fastfood hat Mackey den Öko-Lebensmittelhandel zur Boombranche gemacht. Das Magazin "Fast Company" schwärmt über den Unternehmer, dass er "in den vergangenen 25 Jahren mehr als sonst jemand dazu beigetragen hat, die Qualität, Nachhaltigkeit, Gesundheitsverträglichkeit und Reinheit amerikanischer Lebensmittel zu verbessern". So hat Mackey den Fruchtproduzenten Dole in zähen Verhandlungen dazu gedrängt, Biobananen für seine Supermärkte anzubauen. Heute gibt Dole die Hälfte der Ökobananen in den normalen Handel. In Kürze sollen biologisch verträgliche Ananas folgen.
Dabei ist der Texaner kein Ideologe. Dass John Mackey sich vor Ewigkeiten zu einem bewussten Lebensstil entschlossen hat, war weniger der Sorge um seine Gesundheit geschuldet als dem Bedürfnis nach Paarung. Als er aufs College ging, zog er "in ein vegetarisch ausgerichtetes Haus ein, weil ich dachte, dass ich dort ein paar coole Frauen treffen würde". Der Plan ging auf. Sein Philosophie- und Religionsstudium brach er ab. Stattdessen eröffnete er 1978 mit seiner Freundin, die er in der Kommune kennen gelernt hatte, in Austin sein erstes vegetarisches Lebensmittelgeschäft. Wenig später schuf er den Whole Foods Natural Market, einen der ersten auf gesunde Lebensmittel ausgerichteten Supermärkte, in denen man den gesamten Wocheneinkauf erledigen konnte. Schnell wuchs sein Unternehmen auf 14 Geschäfte. 1992 erlöste Mackey beim Börsengang 23 Mio. $, mit denen er sein zügiges Wachstum finanzierte.
"Eines Tages zählt Mackey zu den Pionieren der US-Wirtschaft, genauso wie Bill Gates oder Steve Jobs", sagt Chris Hitt, der frühere Vize von Whole Foods. An Eigensinnigkeit nimmt Mackey es problemlos auf mit diesen beiden Ikonen. In seinem Büro hängt ein Poster des Raumschiffs Enterprise. Er bewundert die egalitäre politische Organisation von Star Treks "United Federation of Planets". So etwas sollte es auch auf Erden geben, glaubt Mackey.
Freiheit ist das große Thema
Also stimmte er bei den Präsidentschaftswahlen weder für Kerry noch für Bush, sondern für den Neoliberalen Michael Badnarik, der mit dem Motto "Entzündet die Fackel der Freiheit" die Regierungsgewalt dramatisch zurechtstutzen wollte. Freiheit ist das große Thema des John Mackey. Der Staat möge sich heraushalten, der mündige Bürger soll sich selbst entscheiden. Am besten für Produkte von Whole Foods.
Die Filialen der Biokette haben nichts gemein mit der europäischen Variante des Bioladens, wo runzelige Rüben neben Sanddornsaft angeboten werden. Die Stores von Whole Foods sind eher Lebensmittel-Themenparks: Appetitanregende Auslagen locken in breiten, lichten Gängen, versehen mit ausführlichen Erklärungen zu den Produkten. Deswegen gibt es nicht nur biologisch angebautes Gemüse von lokalen Farmern, sondern auch aus aller Welt eingeflogene Früchte, die herkömmlich mit Unterstützung der Giftspritze angebaut werden. "Ich bin im Geschäft, nicht um meine Weltsicht durchzuboxen, sondern um die Wünsche des Kunden zu erfüllen", doziert Mackey.
Dementsprechend bietet er in seinen Supermärkten den Kunden auch das an, was er selbst nie essen würde: Fleisch und Fisch etwa. Die Ernährungsweise von Mackey wäre seinen Kunden auch kaum zuzumuten. Seit einem Jahr verzichtet der Mann auf jegliche tierischen Produkte. Bis auf die Eier der 30 Hühner, die er auf seiner Ranch außerhalb von Austin selbst aufzieht: "Schließlich leben sie dort im Hühnerparadies."