Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass über die Hälfte der Mittelständler ihr Unternehmen gerne verkaufen würden
"Wegen des starken Wachstums mussten wir ständig über neue Finanzierungsmodelle nachdenken", sagt Dietz. "Das hat Druck gemacht." Als ihm eine französische Pflegeheimkette ein attraktives Übernahmeangebot machte, sagte er fast erleichtert zu. Endlich war er den ewigen Druck los.
Ein Großteil der mittelständischen Unternehmer würde in einer solchen Situation ähnlich entscheiden wie Dietz. Das ergab eine Studie, die die Universität Marburg für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) erstellt hat. Demnach gaben 58 Prozent der 2300 befragten Unternehmer an, dass sie ihre Firma für einen angemessenen Preis aufgeben würden. 83 Prozent sagten sogar, sie würden nicht wieder Unternehmer werden.
2007 stellte sich die Lage noch ganz anders dar. Damals hätte nur ein Drittel der Befragten die Entscheidung für die Selbstständigkeit gern rückgängig gemacht. Lediglich 44 Prozent hätten damals verkauft.
"Wenn ein kleines Unternehmen vor der Pleite steht, kommt auch nicht die Bundeskanzlerin"
Offenbar haben viele Mittelständler in den letzten zwei Krisenjahren den Spaß am Unternehmertum verloren. Bürokratie, hohe Steuern und strenge Auflagen im Arbeitsrecht - darüber klagen die kleinen und mittleren Unternehmer seit Jahren. Seit einiger Zeit gibt es zudem Probleme bei der Kapitalbeschaffung. Die rigiden Banken machen laut der BVMW-Studie den Unternehmern am meisten zu schaffen. Die ewigen Geldsorgen verleiden ihnen derzeit das Unternehmerdasein.
Kein Wunder, dass viele Mittelständler die milliardenschweren Kapitalspritzen des Bundes für notleidende Großunternehmen als ungerecht und wettbewerbsverzerrend empfinden. Unternehmer Helmut Peterseim beispielsweise macht das richtig sauer. "Wenn ein kleines Unternehmen vor der Pleite steht, kommt auch nicht die Bundeskanzlerin", wettert der Inhaber von Helmut Peterseim Strickwaren in Thüringen und setzt nach: "In den großen Firmen übernimmt niemand mehr persönliche Verantwortung." Die Ursache dafür ist für ihn eindeutig: "Es haftet ja niemand mehr mit seinem Besitz."