Die Finanzkrise verändert die weltweite Bankenlandschaft rasant. Pleiten, Fusionen, Ausverkäufe - die Finanzwelt wird von einem Beben erschüttert, bei dem kaum ein Stein auf dem anderen bleibt.
Nach harscher Kritik:Keine Boni für Thain und Mack
Erst Milliardenabschreibungen, dann Millionenboni: Das erschien Aufsichtsräten und Staatsanwälten am Ende doch als zu bizarr. Deshalb gehen die Chefs von Merrill Lynch und Morgan Stanley in diesem Jahr leer aus – trotz der Note "herausragend".
Die Wall-Street-Häuser Merrill Lynch und Morgan Stanley zahlen ihren Vorstandschefs John Thain und John Mack für 2008 keinen Bonus. Das berichteten mehrere Medien und Nachrichtenagenturen am Dienstag. Das Vergütungskommittee von Merrill Lynch bestätigte die Meldungen und lobte "herausragende Leistungen des Top-Managements in einer schwierigen Zeit".
Mit ihrem Verzicht reagieren die Bankmanager auf harsche Kritik der Politik und der Öffentlichkeit. Allen voran der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo und der einflussreiche Senator Harry Reid hatten mit großem Unverständnis reagiert, als Finanzinstitute trotz Abschreibungen in Milliardenhöhe und staatlicher Kapitalspritzen großzügig Boni und Dividenden ausschütten wollten. Washington war der Wall Street mit einem 700 Mrd. $ zur Hilfe geeilt. Mit der Zeit wuchs die Irritation der Kongressabgeordneten, da die Banken das Kapital nicht in Form von Krediten an Wirtschaft und Verbraucher weiterreichten, sondern Mitarbeiter und Aktionäre bedachten.
Thain forderte 10 Mio. $
Nachdem das "Wall Street Journal" berichtet hatte, dass Merrill-Chef Thain einen Bonus von 10 Mio. $ forderte, schrieb Cuomo einen Brief an den Verwaltungsrat der Bank. Darin heißt es: "Die Leistung des Top-Managements von Merrill Lynch rechtfertigt keinesfalls großzügige Boni in diesem schrecklichen Jahr." Neben Thain gehen damit auch seine Vorstandskollegen Neson Chai, Rosemary Berkery und Robert McCann leer aus.
Thain hatte argumentiert, er habe einen Bonus verdient, weil er Merrill durch einen Verkauf an die Bank of America (BOA) vor einer noch größeren Krise bewahrt habe. Merrill gehört mit Abschreibungen von rund 40 Mrd. $ zu den größten Verlierern der US-Hypothekenkrise.
Thain war allerdings erst im Dezember 2007 an die Spitze der Bank gerückt. Er wurde Nachfolger von Stan O'Neal, der zwei Monate zuvor wegen der Rekordabschreibungen bei Merrill zurückgetreten war. Seither hatte Thain versucht, die Bank vor der Pleite zu bewahren.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verzichtet auf seinen Jahresbonus. Auch der Schweizer Bankkonzern UBS strich nach den Milliardenverlusten im US-Immobilienmarkt der Konzernleitung die Zusatzzahlungen, ebenso Goldman Sachs.
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