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Merken   Drucken   02.05.2005, 14:30 Schriftgröße: AAA

Neue Bilanzierung: Knackpunkt IT  

Wer seinen Jahresabschluss nach den neuen Bilanzstandards erstellt, muss seine Computersysteme anpassen. Ein Problem: Denn der Aufwand ist oft größer als erwartet und wird von Vorständen oft noch unterschätzt. von Martin Ottomeier
Der IT-Aufwand ist bei der Bilanzumstellung größer als erwartet.   Der IT-Aufwand ist bei der Bilanzumstellung größer als erwartet.
Rechnungslegung ohne IT-Unterstützung ist heutzutage kaum vorstellbar. Von der Umstellung auf IFRS sind daher häufig auch die IT-Systeme betroffen. Wie stark, das kommt auf die Situation an. "Der IT-Aufwand ist abhängig von der Implementierungsstrategie", sagt Isabell Boeddinghaus, Beraterin bei der Unternehmensberatung Capgemini. "Die Überleitung auf einen IFRS-Abschluss kann theoretisch auch in Excel erfolgen."
Auf diese Variante lassen sich viele Unternehmen aber gar nicht erst ein. "Die Firmen nutzen bei der Umstellung auf die IFRS oft die Gelegenheit, zusammen mit der Erneuerung der Prozesse die gesamte Software zur Konsolidierung der Finanzdaten zu erneuern", sagt Carsten Kracht, Geschäftsführer bei Accenture. Neben der Software für die Konsolidierung können auch die Programme für das Finanz- und Rechnungswesen, die so genannten Transaktionssysteme, betroffen sein. "In der Regel ist es sinnvoller - wenn auch aufwändiger - die Transaktionssysteme auf IFRS umzustellen und den lokalen Abschluss, zum Beispiel nach HGB, separat hieraus abzuleiten", sagt Kracht. Nach Einschätzung der Experten sind von der Umstellung in erster Linie die Anwendungen im Finanzwesen, manchmal auch in der Materialwirtschaft betroffen, viel mehr aber nicht.
Töchter erhöhen den Umstellungsaufwand
Bei Konzernen steigt allerdings der Aufwand für die Umstellung. "Auch die Finanz- und Rechnungswesensysteme eines Konzerns und der Töchter müssen angepasst werden. Das kann sehr aufwändig sein, insbesondere wenn die Töchter verschiedene Systeme im Einsatz haben", sagt Sebastian Heintges, Partner bei PricewaterhouseCoopers. Bei den Finanzbuchhaltungssystemen der Töchter sei in der Regel aber keine neue Software nötig. Sie müssten nur an IFRS angepasst werden.
Zu den Knackpunkten der Umstellung gehört aus IT-Sicht die Anpassung der Schnittstellen zwischen den Transaktions- und den Konsolidierungssystemen. Je weniger flexibel diese in der Vergangenheit programmiert wurden, desto größer ist der Aufwand. Dabei helfen Standardwerkzeuge wie Tools für Enterprise Application Integration (EAI), mit denen sich verschiedene IT-Systeme integrieren und Schnittstellen leichter pflegen lassen. Auch die Extensible Business Reporting Language (XBRL) kann helfen. Das ist eine standardisierte und frei verfügbare elektronische Sprache für die Finanzbuchhaltung, die auf dem IT-Standard XML basiert, der zunehmend in der IT-Welt akzeptiert und unterstützt wird.
Systemumstellung dauert Monate
Das alles hat seinen Preis. Eine schnelle Umstellung der Computersysteme ist nur selten möglich. "Der Umstellungsaufwand ist je nach Unternehmen sehr unterschiedlich", sagt Boeddinghaus. Vier bis sechs Monate müssten mindestens eingeplant werden, auch mehr als zwölf Monate seien möglich. Das ist in vielen Chefetagen noch nicht angekommen. "Der IT-Aufwand wird von vielen Vorständen oft noch unterschätzt", sagt Jan van Bezouw, bei CSC Ploenzke Experte für IFRS. "Die meisten Unternehmen werden nicht umhinkommen, auch neue Software einzuführen." Die Unternehmensleitungen unterschätzten auch die Auswirkungen auf die Prozesse, sagt Boeddinghaus. Das gelte vor allem für das Reporting.
  • FTD.de, 02.05.2005
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