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Merken   Drucken   09.10.2008, 21:25 Schriftgröße: AAA

Neuer Steuermann: Bain tauscht Chef von Bavaria Yachtbau aus

Der US-Finanzinvestor Bain Capital hat beim schwächelnden Bootsbauer Bavaria Yachtbau nach nur elf Monaten den Chef ausgewechselt. Mit Andres Cardenas, 48, holt Bain diesmal einen Brancheninsider an Bord. von Angela Maier (München)
Cardenas war bis vor Kurzem Geschäftsführer des größten spanischen Motorbootherstellers Rodman Group, wie Bavaria mitteilte. Der in Deutschland aufgewachsene Spanier löst Kay Schwabedal, 45, "mit sofortiger Wirkung" ab.
Schwabedal war im November 2007 mit großen Plänen, aber ohne Expertise im Bootsbau bei dem größten deutschen Sportbootebauer aus Giebelstadt bei Würzburg gestartet. Schwabedal arbeitete zuvor für General Electric  und Procter & Gamble , bis er Vizechef von Arcor wurde. Bei dem Festnetzanbieter schied er im April 2007 aus. Kurz nach Schwabedals Ernennung heuerte Bain auch einen neuen Finanzchef und einen Verantwortlichen für das Tagesgeschäft an. Die Manager hatten bis dato berufliche Erfahrungen bei der Bäckereikette Kamps, bei Coca-Cola  und beim Anlagenbauer Singulus gesammelt.
Bain hatte Bavaria zum 1. August 2007 für mehr als 1,1 Mrd. Euro übernommen, da sich der damals 64-jährige Gründer zurückziehen wollte. Schwabedal hatte zunächst eine Menge von Veränderungen angekündigt. So sollte der bislang vor allem im preisgünstigen mittleren Segment erfolgreiche Yachtbauer in das Luxussegment einsteigen. Die Finanzkrise belastet jedoch auch Bavaria. Vor allem aus den von der Immobilienkrise besonders betroffenen Ländern Großbritannien und Spanien gebe es weniger Bestellungen, so ein Firmeninsider. Wegen des deutlichen Auftragsrückgangs seit dem Spätsommer meldete Bavaria im Oktober Kurzarbeit an.
Der Kauf war der letzte Milliardendeal in Deutschland vor Ausbruch der Kreditkrise. Schon damals galt der Preis als weit überhöht. Bavaria galt zwar als wachstumsstark, effizient und hochprofitabel, erlöste aber 2006/07 nur 290 Mio. Euro.
Da Bain Capital rund 900 Mio. Euro mit Krediten finanziert hat, steht Bavaria nun unter großem Druck, die Zinsen dafür zu erwirtschaften. Einer der zwei Kreditgeber, die US-Bank Goldman Sachs , hat sich bereits verabschiedet und das Darlehensvolumen von etwa 450 Mio. Euro nach FTD-Informationen in zwei Schritten an den US-Fonds Oaktree veräußert. Beim zweiten Verkauf im August akzeptierte Goldman Finanzkreisen zufolge sogar einen Abschlag von 65 Prozent vom Nennwert - und ist insofern mit hohen dreistelligen Millionenverlusten ausgestiegen.
Oaktree zählt zu den so genannten "Geierfonds" und spekuliert den Kreisen zufolge darauf, dass Bain mittelfristig die Kontrolle an Bavaria wegen Überschuldung der Firma abgeben muss. Der zweite Gläubiger, die Dresdner Bank, sitzt noch auf dem gesamten Darlehensanteil von 450 Mio. Euro. Bain, Oaktree und die Banken lehnten einen Kommentar ab.
  • Aus der FTD vom 10.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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