DIW-Chef Klaus Zimmermann macht der Bundesagentur Konkurrenz. Er will die Arbeitsmarktzahlen mit einem Monat Vorlauf vorhersagen - mit Hilfe der Internetsuchmaschine Google. von Monika Dunkel
Ein Mörder, so weiß man, kehrt immer wieder an den Tatort zurück. Nun ist Klaus Zimmermann natürlich alles andere als ein Bösewicht. Aber das Prognostizieren kann er nicht lassen. Mit seinem jüngsten Vorstoß, die Arbeitsmarktzahlen bereits einen Monat vor der Bundesagentur für Arbeit vorherzusagen, kehrt der Präsident des Deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts (DIW) gewissermaßen an den Tatort zurück.
Denn der Ökonom hatte noch vor Kurzem für Aufregung gesorgt, weil sein Institut auf die übliche Veröffentlichung einer Konjunkturprognose für 2010 verzichtet und damit die Prognostikerzunft brüskiert hatte. Seine Tat verteidigt der Mann damit, dass das Instrumentarium der traditionellen Konjunkturforschung und der amtlichen Statistik überfordert sei.
Der Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung: Klaus F. Zimmermann
Mit dem neuen Prognosemodell sei es möglich, die Zahl der Arbeitslosen im Schnitt bereits einen Monat vor Bekanntgabe der offiziellen Zahlen durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) vorauszusagen - "mit hoher Treffsicherheit", glaubt Zimmermann. Seit vergangenem Sommer haben er und seine Mitarbeiter das neue Prognosemodell getestet - mit vielversprechenden Ergebnissen. Ein Modell, das simpel klingt. Man nehme die Arbeitsmarkt- und Kurzarbeitzahlen der BA und Google bei Arbeitsvermittlern wie Monster.de. Das alles speise man in eine Formel ein, und fertig ist die Prognose.
Fast jeder Arbeitssuchende hinterlasse Spuren im Internet, begründet Zimmermann den Einsatz von Google. Rund 90 Prozent der Arbeitslosen nutzen nämlich auch das Internet für ihre Jobsuche.
Die Probe aufs Exempel werden die nächsten Monate bringen. Für Juni - die offiziellen Zahlen der BA kommen erst Ende des Monats - ergebe die Auswertung von Suchanfragen, dass sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Sagt Zimmermann.
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