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  FTD-Serie: Nobelpreis 2007

Für herausragende Leistungen in Wissenschaft, Politik und Literatur werden in dieser Woche in Stockholm die Nobelpreisträger 2007 verkündet. FTD-Online präsentiert alle Hintergründe über die Gewinner und zeigt, welche Deutschen in der Vergangenheit mit den begehrtesten Preisen der Welt dekoriert wurden.

Merken   Drucken   10.10.2007, 21:11 Schriftgröße: AAA

Nobelpreis für Chemie: Erfolg mit Oberflächlichem

Dossier Nach dem Nobelpreis für Physik geht auch die höchste Auszeichnung für Chemiker in diesem Jahr nach Deutschland. Gerhard Ertl vom Berliner Fritz-Haber-Institut erhielt die Nachricht über die Auszeichnung am Morgen seines 71. Geburtstags.
Gewürdigt wurde mit der umgerechnet 1,1 Mio. Euro (10 Mio. schwedische Kronen) dotierten Auszeichnung Ertls exakte Untersuchung chemischer Reaktionen von Gasen auf festen Oberflächen. Solche Prozesse laufen etwa in einem Autokatalysator ab - dort werden zum Beispiel Kohlenmonoxid und nicht verbrannte Benzinreste in Wasser und relativ unschädliches CO2 umgewandelt.
Der Chemie-Nobelpeisträger Gerhard Ertl   Der Chemie-Nobelpeisträger Gerhard Ertl
Die Entwicklung von Katalysatoren ist ein Milliardenmarkt - erst im vergangenen Jahr hatte der Chemiekonzern BASF 5 Mrd. $ für den US-Spezialisten Engelhard ausgegeben. Auch in der Chemiebranche selbst spielen Katalysatoren eine wichtige Rolle - dort bezeichnet man mit Katalysator allerdings jede beliebige Substanz, die eine chemische Reaktion erleichtert, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Viele Produktionsschritte lassen sich durch Zugabe solcher Beschleuniger billiger erledigen.
"Mir kamen die Tränen, das sage ich Ihnen ehrlich", sagte Ertl nach dem Anruf aus Stockholm. "Ich habe heute zwei Geschenke bekommen. Zuerst zum Geburtstag und dann den Nobelpreis", ergänzte er im Telefonat mit dem Nobelkomitee. "Ich hoffe, dass der Nobelpreis mein Leben nicht zu sehr verändern wird. Aber alle Preisträger sagen mir, dass er das tut." Seine Ehefrau Barbara war außer sich vor Freude: "Da wird der Hund in der Pfanne verrückt", sagte sie atemlos am Telefon.
Ertl hat mit seiner Arbeit Grundlagen für ganze wissenschaftliche Generationen gelegt. "Im Vergleich zu anderen Forschern auf seinem Feld ist er einfach einsame Klasse gewesen", sagte Hakan Wennerström, Mitglied des Nobelkomitees, "bei seiner Arbeit ist der systematische deutsche Ansatz bei wissenschaftlicher Arbeit wirklich zu seinem Recht gekommen." Ertls Arbeit zeichnet sich vor allem durch die Kombination moderner Messmethoden aus, die großen technischen Aufwand erfordern. Ertl klärte auch eine der wichtigsten chemischen Reaktionen der Welt auf: Mit dem Haber-Bosch-Verfahren werden Stickstoff und Wasserstoff zu Ammoniak, einem Grundstoff der Düngerproduktion. Als einer der wenigen wissenschaftlichen Nobelpreisträger der letzten Jahre erhielt Ertl den Preis allein.
Preiswürdige Alltagschemie   Preiswürdige Alltagschemie
Der am Dienstag zuvor mit dem Physiknobelpreis geehrte Peter Grünberg sagte am Mittwoch: "Der zweite Nobelpreis ist toll für Deutschland." Die deutsche Forschung sei aber auch unabhängig von Auszeichnungen gut: "Wenn wir keinen Nobelpreis bekommen, heißt das ja nicht, dass wir schlecht sind." Ertl ist wie Grünberg studierter Physiker. "Ich habe ihn schon öfter als Konkurrenten für Preise gehabt", ergänzte Grünberg.
Ertl ist emeritierter Direktor des Fritz-Haber-Instituts für physikalische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Er leitete das Institut von 1986 bis 2004, zuvor lehrte er in Kalifornien und lange Jahre an der Technischen Universität München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Bilderserie Bilderserie: Wofür Deutsche den Nobelpreis erhielten

Chronik
Der Nobelpreis für Chemie wird seit 1901 vergeben. Zuletzt erhielten folgende fünf Deutsche den Preis.
1988 Das Forschertrio Johann Deisenhofer, Robert Huber und Hartmut Michel fand heraus, wie die Fotosynthese in einem Purpurbakterium auf atomarer Ebene abläuft.
1979 Georg Wittig entwickelte die Wittig-Reaktion zur Synthese von bestimmten Kohlenstoffverbindungen, darunter Vitamin A. Er erhielt den Preis gemeinsam mit dem US-Amerikaner Herbert Brown.
1973 Ernst Otto Fischer wurde gemeinsam mit Geoffrey Wilkinson ausgezeichnet für bahnbrechende Arbeiten über Verbindungen von Metallen mit organischen Molekülen, den sogenannten Sandwich-Verbindungen.
dpa
  • Aus der FTD vom 11.10.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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