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  FTD-Serie: Nobelpreis 2007

Für herausragende Leistungen in Wissenschaft, Politik und Literatur werden in dieser Woche in Stockholm die Nobelpreisträger 2007 verkündet. FTD-Online präsentiert alle Hintergründe über die Gewinner und zeigt, welche Deutschen in der Vergangenheit mit den begehrtesten Preisen der Welt dekoriert wurden.

Merken   Drucken   09.10.2007, 21:30 Schriftgröße: AAA

Nobelpreis für Physik: Wegbereiter des MP3-Spielers

Nun weiß Peter Grünberg, dass er bis ans Ende seiner Tage das tun kann, was ihm am Herzen liegt: forschen. Der 68-jährige Wissenschaftler ist Träger des diesjährigen Nobelpreises für Physik. von Frank Grotelüschen (Hamburg)
Und einen Nobelpreisträger setze man nicht aus Altersgründen vor die Labortür, sagt der Physiker. "Ich kann jetzt ohne Druck und wertfrei forschen."
Der Jülicher Physiker Peter Grünberg erhält zusammen mit seinem ...   Der Jülicher Physiker Peter Grünberg erhält zusammen mit seinem französischen Kollegen Albert Fert den Physik-Nobelpreis.
Geehrt wird Grünberg gemeinsam mit dem Franzosen Albert Fert. Unabhängig voneinander entdeckten sie ein physikalisches Phänomen, den Riesenmagnetowiderstand, mit dem sich die Speicherkapazität von Festplatten enorm steigern lässt. Er ermöglicht den Bau von Leseköpfen, die zehnmal so empfindlich auf die in der Magnetplatte gespeicherten Informationen reagieren wie frühere Modelle. Ohne diese Technik könnten Laptops und MP3-Spieler nicht Tausende Fotos und Musiktitel speichern.
Nobelpreissieger Albert Fert hat unabhängig von Grünberg das ...   Nobelpreissieger Albert Fert hat unabhängig von Grünberg das gleiche physikalische Phänomen des Riesenmagnetowiderstands entdeckt
1987 untersuchte Grünberg in seinem Labor am Forschungszentrum Jülich magnetische Schichten, die aufgebaut sind wie ein Sandwich: zwei Eisenfilme, getrennt durch eine nanometerdünne Chromschicht. Als er ein Magnetfeld anlegte, erwartete er, dass sich die Magnetfelder beider Eisenschichten in die gleiche Richtung orientieren würden. Das Gegenteil war der Fall: Die Magnetfelder richteten sich gegenläufig aus, im Fachjargon antiparallel. "Da haben wir vermutet, dass diese antiparallele Ausrichtung auch den elektrischen Widerstand beeinflusst."
Speicherriese   Speicherriese
Unverzüglich setzte er eine Diplomandin auf die Sache an. Und tatsächlich: Eines Morgens im Dezember 1987 vermeldete sie, dass sich der elektrische Widerstand der Eisenfilme verdoppelt, sobald sie einem Magnetfeld ausgesetzt sind. "So eine Verdopplung des Widerstandes ist für Metalle wirklich riesig", sagt Grünberg. "Deswegen haben wir diesen Effekt als Riesenmagnetowiderstand bezeichnet." Fast am gleichen Tag wie Grünberg erreichte das Team um Albert Fert in Paris mit einem ähnlichen Versuch ebenfalls eine Verdopplung des Widerstands.
Sofort zum Patentamt
"Mein Chef sagte zu mir: Jetzt gehen Sie sofort zum Patentamt!", erzählt Grünberg. Schnell roch auch die Industrie Lunte - insbesondere IBM. Schon im Herbst 1988 veranstaltete der Computerkonzern einen Workshop. "Die IBM-Leute haben uns richtig ausgequetscht", so Grünberg. "Leider war die deutsche Industrie nicht so schnell."
Keine zehn Jahre später brachte IBM eine Festplatte mit damals erstaunlicher Speicherkapazität von zehn Gigabyte auf den Markt. Der Konzern zahlt, wie auch andere Festplattenhersteller, für die Nutzung des Patents Lizenzgebühren - bisher rund 9 Mio. Euro.
Heute basiert nahezu jede Festplatte auf der Erfindung von Grünberg und Fert. Und die von ihnen geschaffenen Grundlagen könnten für weitere Innovationen gut sein: So arbeiten Forscher am MRam - einem magnetischen Speicherchip, der sein Gedächtnis nach einem Rechnerabsturz nicht verliert. Und sie tüfteln an einer neuen Art von Elektronik, Spintronik genannt. Hierbei will man nicht nur den Elektronenfluss zum Rechnen nutzen, sondern zusätzlich ihren Drall. Das Ziel: Computer, die deutlich schneller sind als heutige PCs.
Bilderserie Bilderserie: Wofür Deutsche den Nobelpreis erhielten
Chronik
2005 wurde neben den US-Amerikanern John Hall und Roy Glauber der Deutsche Theodor Hänsch ausgezeichnet. Ihre Arbeiten ermöglichen die extrem genaue Messung der Eigenschaften von Licht - wichtig etwa für die Datenübertragung über Glasfaserkabel.
2001 ging der Preis an den am Massachusetts Institute of Technology forschenden Wolfgang Ketterle und seine US-Kollegen Eric Cornell und Carl Wiemann. Sie hatten entdeckt, wie sich Gase in den Aggregatzustand "Bose-Einstein-Kondensat" versetzen lassen.
2000 ging die Auszeichnung an den in Kalifornien forschenden Herbert Kroemer, den Russen Schores Alferow und den US-Amerikaner Jack Kilby. Sie legten die Grundlagen für die moderne Mikroelektronik.
  • Aus der FTD vom 10.10.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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